Das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim, hat zum 21. Mal den Heinz König Young Scholar Award vergeben. In diesem Jahr geht der Forschungspreis an Christian Ochsner vom CERGE-EI in Prag und der Universität Zürich sowie Felix Roesel vom ifo-Institut Dresden. Das ZEW würdigt mit dieser Auszeichnung die Untersuchung beider Forscher zur Populismusforschung. Mit ihrer Arbeit leisten Ochsner und Roesel einen Beitrag zum Verständnis der Mechanismen, die zum Erfolg populistischer Kommunikation führen können.

ZEW verleiht Heinz König Young Scholar Award an Gewinner Christian Ochsner
Juroren/-innen und Preisträger (v.l.n.r.): ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann, Preisträger Christian Ochsner, ZEW-Ökonom Sebastian Siegloch, LBBW-Vertreter Michael Jung und Doris Brettar, stellvertretende Leiterin des ZEW-Servicebereichs „Zentrale Dienstleistungen“.

Der jährlich vom ZEW verliehene Heinz König Young Scholar Award ist mit 5.000 Euro dotiert und beinhaltet zusätzlich das Angebot eines mehrmonatigen Forschungsaufenthalts am ZEW. Der Forschungspreis wird stets von einem Mitglied im Förderkreis Wissenschaft und Praxis am ZEW e.V. gestiftet, in diesem Jahr von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Michael Jung, Bereichsleiter Unternehmenskunden Baden-Württemberg Nord-West, beglückwünscht die Preisträger: „Es ist für uns eine besondere Freude, junge, vielversprechende Forschende zu fördern, die sich mit Problemen von solch hoher Relevanz für das friedliche Zusammenleben in Europa befassen.“

Die prämierte Arbeit untersucht, wie sich die Anti-Islam-Kampagnen der österreichischen FPÖ seit 2005 auf die Stimmenanteile dieser Partei auswirken. Es zeigt sich, dass diese Rhetorik auf besonders fruchtbaren Boden in den Orten fällt, die im 16. oder 17. Jahrhundert Gewalttaten im Kontext der türkischen Belagerungen Wiens erlebt haben.

Aufarbeitung der Geschichte für ein friedliches Miteinander in Europa

Zur Beantwortung ihrer Forschungsfragen verwenden Christian Ochsner und Felix Roesel eigenhändig recherchierte und digitalisierte historische Daten zu den Belagerungen, um den Wahlerfolg in historisch belagerten und nicht-belagerten Gemeinden zu vergleichen. Anhand von zahlreichen Tests gelingt es ihnen einen Kausalzusammenhang herzustellen. Darüber hinaus zeigen die Autoren, dass der populistische Wahlkampf anti-türkische Gefühle entstehen lässt und türkische Mitbürger/innen die entsprechenden Gemeinden verlassen.

„Populismus zu verstehen ist auch entscheidend, um nachzuvollziehen, wie eine oft irrational anmutende Wirtschaftspolitik zustande kommt. Die Arbeit ist bedeutsam, weil sie belegt, wie historische Ereignisse, die an sich ohne jede Relevanz für heute sind, von Populisten missbraucht werden können“, erklärt Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft", die Entscheidung der Jury. „Die empirischen Einsichten belegen, wie solche Kampagnen Animositäten zwischen Bevölkerungsgruppen befeuern können. Diese Erkenntnisse machen deutlich, wie politisch und ökonomisch wichtig die gute Aufarbeitung der Geschichte für das friedliche Miteinander in Europa ist.“

Über den Heinz König Young Scholar Award

Der Heinz König Young Scholar Award ist nach dem im Jahre 2002 verstorbenen Gründungsdirektor des ZEW, Prof. Dr. Dr. h.c. Heinz König, benannt und würdigt hervorragende empirische Arbeiten junger Wirtschaftswissenschaftler/innen. Das ZEW will mit dem Preis der Vielzahl an Auszeichnungen für arrivierte Forscher/innen keine weitere hinzufügen, sondern – ganz im Sinne von Heinz König – der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses den Vorzug geben.

Der Heinz König Young Scholar Award 2019 wurde während des 21. ZEW Summer Workshops für junge Ökonomen verliehen. Der Workshop befasste sich in diesem Jahr mit aktuellen Themen und Methoden der Finanzwissenschaft. Ziel des ZEW Summer Workshops ist es, den wirtschaftswissenschaftlichen Nachwuchs zu qualifizieren. In diesem Jahr wurden aus einer Vielzahl an Bewerbungen 15 Wissenschaftler/innen ausgewählt, um während des Summer Workshops ihre Forschungsarbeiten mit anderen Nachwuchswissenschaftlern/-innen und renommierten Forschern/-innen zu diskutieren.