Die Auktion von Frequenzen des neuen Mobilfunkstandards 5G hat heute begonnen. Prof. Dr. Vitali Gretschko, Leiter der Forschungsgruppe „Marktdesign“ am ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim zum aktuellen Stand.

ZEW-Ökonom Vitali Gretschko kommentiert 5G-Auktion
Prof. Dr. Vitali Gretschko ist Leiter der ZEW-Forschungsgruppe "Marktdesign" Professor für Marktdesign an der Universität Mannheim und Mitglied der DFG-Forschergruppe "Design and Behavior".

Die ersten Runden der Frequenzauktion lassen erste Schlussfolgerungen über die Strategien der Bieter zu. Die bisherigen Gebote deuten darauf hin, dass der Hauptkonflikt vermutlich zwischen dem Neueinsteiger Drillisch und den etablierten Betreibern ausgetragen werden wird. Dabei haben die absolute Summe der gebotenen Beträge oder auch nur der Beträge pro Bieter zu diesem frühen Zeitpunkt eher wenig Aussagekraft. Jedoch kann die Summe der Frequenzen, auf die geboten wurde, zur Analyse herangezogen werden.

Der Neueinsteiger bietet gegen die etablierten Netzbetreiber

In der ersten Runde hat Drillisch vorgelegt und das Mindestgebot pro Block um jeweils 20 Millionen überboten. Das kann als ein Signal an die anderen Bieter gewertet werden, dass man es mit der Auktionsteilnahme ernst meint. Ob es tatsächlich so ist, wird sich indessen erst zeigen, wenn die Preise in den nächsten Tagen signifikant steigen.

Unter den etablierten Netzbetreibern scheint es keinen Konflikt zu geben. Alle bieten so, dass wenn Drillisch aus der Auktion aussteigt, die Auktion schnell zu Ende gehen kann. Laut Regeln ist es einem Bieter zwar möglich seine Nachfrage in der Auktion zu einem späteren Zeitpunkt zu erhöhen, allerdings haben vergangene Auktionen gezeigt, dass ein solches Vorgehen wenig glaubhaft ist. Wenn ein Bieter schon signalisiert hat, dass er mit einer bestimmten Frequenzausstattung zufrieden ist, ist es schwer, die anderen Bieter davon zu überzeugen, dass er auf mehr bieten wird.

Bisherige Kommentare

Die 5G-Auktion verspricht spannend zu werden (18. März 2019)

Die 5G-Auktion verspricht spannend zu werden (18. März 2019)

Nachdem das Verwaltungsgericht Köln die Eilanträge der der drei Mobilfunknetzbetreiber Telekom, Telefónica und Vodafone gegen die Rahmenbedingungen der Versteigerung für die Frequenzen des neuen Mobilfunkstandards 5G abgelehnt hat, kann die Bundesnetzagentur ab morgen mit der Auktion beginnen.

Die Auktion verspricht spannend zu werden. Für die Netzbetreiber wird es darauf ankommen, sich durch eine geschickte Biet-Strategie Vorteile zu verschaffen. Da sich in jeder Runde die Preise erhöhen, kommt es darauf an, die Auktion vom Ende her zu denken und dieses Ende mit einer passenden Frequenzausstattung so kostengünstig wie möglich herbeizuführen. Die Bieter können dabei ihre Gebote nutzen, um ihre Interessen zu signalisieren – etwa durch hohe Gebote oder Gebote auf bestimmte Frequenzblöcke.

Die Teilnahme von Drillisch bringt zudem Bewegung ins Spiel. Einen möglichen Markteintritt eines neuen Anbieters hat es zuletzt bei der UMTS-Auktion im Jahr 2000 gegeben. Auch dadurch wurden die Preise damals bis auf 50 Milliarden Euro hochgetrieben. Ein solcher Preisanstieg ist bei der aktuellen Auktion eher nicht zu erwarten, da der frühere ‚Hype‘ um 3G doch recht überzogen war. Trotzdem gibt es zwei Unsicherheitsfaktoren, die den Preis bei der anstehenden Auktion in die Höhe treiben könnten.

Erstens ist es von vornherein nicht klar, inwiefern Drillisch wirklich durch den Kauf von Frequenzen in den Markt eintreten will. Deshalb es ist möglich, dass Drillisch eine Strategie verfolgen könnte, die Preise in die Höhe zu treiben, ohne am Ende diese Frequenzen kaufen zu wollen. Dieses mögliche Bietverhalten könnte Drillisch strategisch als Hebel nutzen, um an anderer Stelle der Geschäftsbeziehungen einen Vorteil zu erzielen, etwa durch das Neuverhandeln ihrer Mobilfunkprovider-Verträge mit den Netzbetreibern.

Zweitens wurden in allen bisherigen Auktionen die Frequenzen relativ gleichmäßig aufgeteilt. Jeder Netzbetreiber hatte einen ähnlichen Anteil bekommen, gemessen an den Frequenzen, die er bereits hatte. An dieser Stelle gibt es jedoch reichlich Konfliktpotenzial, vor allem wenn es darum geht zu bewerten, welche Frequenzbänder in einer fairen Zuteilung vergleichbar sind. Insbesondere die zu versteigernden 2-Gigahertz-Frequenzen haben ähnliche Eigenschaften wie 1,8-Gigahertz-Frequenzen, die aktuell aber sehr ungleich verteilt sind.

Datum

19.03.2019

Kategorie

Kontakt

Pressereferentin

Tel.: +49 0621 1235-133

sabine.elbert@zew.de