Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zur Entwicklung der deutschen Inflationsrate im November 2021 veröffentlicht. Die am deutschen Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate ist  diesen Berechnungen zufolge weiter auf 5,2 Prozent gestiegen. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

Foto des ZEW-Ökonomen Friedrich Heinemann
ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann kommentiert die Entwicklung der deutschen Inflationsrate Novemer 2021.

„Deutschland erlebt den stärksten Inflationsschub seit drei Jahrzehnten. Die Fünf vor dem Komma ist aber kein Grund zur Panik. Der Novemberwert könnte jetzt schon der Scheitelpunkt des Inflationsschubs sein. Die aktuell deutliche Abwärtskorrektur bei den Ölpreisen und die unausweichlichen neuen Kontakt-Einschränkungen in der vierten Welle werden schon rasch preisdämpfend wirken. Ab Januar ist dazu mit einem statistischen Bremseffekt bei der Inflationsrate zu rechnen, weil die Erhöhung der Mehrwertsteuer aus dem Jahresvergleich herausfällt. So sicher das Absacken der Inflationsrate ab Januar ist, so unklar bleibt, ob Deutschland in den kommenden zwei Jahren wieder mit Inflationsraten in einem Bereich von zwei Prozent rechnen kann. Das entscheidet sich in den kommenden Tarifverhandlungen und letztlich auch im Rat der Europäischen Zentralbank.“

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zur Entwicklung der deutschen Inflationsrate im Oktober 2021 veröffentlicht. Die am deutschen Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate ist diesen Berechnungen zufolge weiter von 4,1 auf 4,5 Prozent gestiegen. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Die Inflationsrate wird im Vorjahresvergleich gemessen. Dieser Wert ist noch stark dadurch beeinflusst, dass die Preise vor zwölf Monaten noch durch die zeitweilig niedrigere Mehrwertsteuer gedämpft waren. Wichtig zur Einschätzung der aktuellen Inflationsdynamik ist daher der zusätzliche Blick auf die Inflationsdynamik von Monat zu Monat. Hier hatte sich in den letzten Monaten sogar eine Entspannung abgezeichnet. Von Juni bis September waren die Preise nicht mehr weiter gestiegen. Mit dieser vorübergehenden Phase der Ruhe ist es nach der Sommerpause vorbei, vom September auf Oktober beträgt das Plus kräftige 0,5 Prozent. Damit erlebt Deutschland im Herbst 2021 einen sehr starken Preisschub. Damit schwindet die Hoffnung auf eine deutlich sinkende Inflationsrate im neuen Jahr.“

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zur Entwicklung der deutschen Inflationsrate im September 2021 veröffentlicht. Die am deutschen Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate ist  diesen Berechnungen zufolge von 3,9 Prozent im Vormonat auf 4,1 gestiegen. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Der Inflationsdruck bleibt bis zum Jahresende sehr hoch. Die aktuell sogar zweistellige Inflationsrate der Großhandelspreise zeigt, dass die Geldentwertung durch die globalen Lieferengpässe angeheizt wird. Aber auch bei den Dienstleistern steigen die Preise auf breiter Front. Auch wenn jetzt schon eine Vier vor dem Komma steht, darf man diese Entwicklung vorläufig nicht dramatisieren. Der Preisschub reflektiert zunächst einmal die erfreulich kräftige und umfassende Erholung der Binnen- und Weltwirtschaft nach dem tiefen Absturz in der Pandemie. Richtig spannend wird es erst ab Januar, wenn die Sondereffekte aus der Mehrwertsteuersenkung vom letzten Jahr auslaufen. Dass die Inflation dann von ihrem aktuellen Stand wieder abfällt, ist sicher. Völlig unklar ist jedoch, wie rasch wieder ein moderates Niveau bei etwa zwei Prozent erreicht werden kann. Für 2022 ist diese Frage offen.“

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zur Entwicklung der deutschen Inflationsrate im Juli 2021 veröffentlicht. Die am deutschen Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate hat diesen Berechnungen zufolge sehr deutlich von 2,3 Prozent im Vormonat auf 3,8 Prozent zugelegt. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Der erwartete starke Anstieg der Inflation hat begonnen. In den nächsten Monaten dürfte Deutschland den stärksten Inflationsschub seit drei Jahrzehnten erleben. Die aktuelle Inflation ist eine Folge der Pandemie und ihrer weltweiten ökonomischen Verwerfungen. Eine über viele Monate aufgestaute Nachfrage trifft derzeit auf ein immer noch begrenztes globales Güterangebot. Hinzu kommen höhere pandemiebedingte Kosten vieler Dienstleister und für Deutschland die Spätfolgen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung vor einem Jahr, die jetzt zu einer höheren Inflation führen. Auch wenn etliche dieser Effekte nur vorübergehender Natur sind, darf man die Folgen und Risiken des starken Inflationsanstiegs nicht verharmlosen.

Niedrig oder überhaupt nicht verzinste Geldvermögen werden derzeit entwertet. Es besteht zudem die Gefahr, dass die zunächst nur vorübergehend höhere Inflation zu einer Lohn-Preis-Spirale führt. Es wäre unredlich, die EZB für den aktuellen Preissprung verantwortlich zu machen. Der EZB kommt aber jetzt die Verantwortung dafür zu, dass aus der vorübergehenden Inflation keine dauerhafte Inflationsdynamik erwächst. Schon jetzt gibt es einen großen Gewinner der steigenden Preise: Der Staat kann aktuell mit der Inflationsrate über der Verzinsung seiner Staatsanleihen die reale Last seiner Verschuldung drücken. Außerdem wird der Fiskus besonders bei der progressiven Einkommensteuer inflationsbedingt mit hohen Steuer-Mehreinnahmen rechnen können. Den Steuerzahlern in Deutschland steht aufgrund des Inflationsschubs eine umfassende heimliche Steuererhöhung über die kalte Progression bevor.“

Das Statistische Bundesamt hat die vorläufigen Ergebnisse zur Entwicklung der deutschen Inflationsrate im Juni veröffentlicht. Die am deutschen Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate hat diesen Berechnungen zufolge 2,3 Prozent erreicht und sich damit gegenüber dem Mai nur geringfügig abgeschwächt. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, nimmt dazu Stellung:

„Die Sichtweise, dass die aktuelle Inflation von Kurzfristfaktoren getrieben wird, ist einerseits richtig, sie greift aber dennoch zu kurz. Es stimmt zwar, dass ein außergewöhnlich starker Anstieg der Importpreise und Sonderfaktoren der Pandemie die Inflation nach oben treiben. Dennoch ist überhaupt nicht sicher, dass diese kurzfristige Inflation genauso schnell verschwindet wie sie gekommen ist. Es sind drei Faktoren, die für eine reale Gefahr eines dauerhaften Inflationsanstiegs sprechen. Erstens sind die steigenden Preise für Importe nicht unbedingt vorübergehend, weil die Lohnkosten in China und anderen Schwellenländern stark und stetig ansteigen. Zweitens dürfte der empfindliche Kaufkraftverlust, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland durch diese Inflation erleiden, Folgen für die nächsten Lohnverhandlungen haben und den Lohndruck erhöhen. Und drittens schwindet derzeit das Vertrauen, dass die Europäische Zentralbank eine dauerhafte Inflationsdynamik wirklich entschieden bekämpfen wird. Zu sehr sind die hoch verschuldeten Eurostaaten von den Anleihekäufen und den Nullzinsen abhängig geworden. Vieles spricht dafür, dass wir uns auf einen längeren Abschied von der Ära sehr niedriger Inflationsraten einstellen sollten.“

Datum

29.11.2021

Kategorie

Kontakt

Pressereferentin

Tel.: +49 0621 1235-133

sabine.elbert@zew.de