ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann zur EZB-Entscheidung

Kommentar

„Melonis EZB-Kritik muss die EZB noch entschlossener machen“

Der EZB-Rat hat erneut einen großen Zinsschritt vorgenommen und die Leitzinsen um 75 Basispunkte erhöht. Damit befindet sich der Zins für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte der Banken jetzt bei 2,0 Prozent. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim, erklärt dazu:

„Dieser zweite große Zinsschritt in Folge war zwangsläufig. Die EZB hat im Vergleich zur Fed den rechtzeitigen Start bei der Zinswende verpasst. Daher muss sie angesichts der Rekord-Inflation jetzt besonders schnell aus dem Terrain unangemessen niedriger Leitzinsen heraus. Diesen Kurs tragen auch die bisherigen Tauben im EZB-Rat mit. Die wirklich kontroversen Debatten dürften dem Gremium erst im nächsten Jahr bevorstehen. Die hohe Inflation und noch mehr die gestiegenen Inflationserwartungen sprechen für Zinsanhebungen auf Werte in Richtung von vier Prozent im Jahresverlauf 2023. Die Bewältigung der Energie-Rezession und die Sorge um die Schuldentragfähigkeit in Südeuropa sprechen hingegen für eine vorsichtigere Gangart. Dass Italiens neue Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in ihrer ersten Regierungserklärung die EZB-Zinserhöhungen als ‚unüberlegt‘ kritisiert, bewirkt dabei eher das Gegenteil dessen, was sie erreichen will. Wenn der politische Druck in Richtung einer permanent lockeren Geldpolitik mitten in der Hochinflation so prominent wird, muss das die Zentralbank in ihrer Inflationsbekämpfung noch entschlossener machen.“

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