Wesentliche Ziele der deutschen Familienpolitik sind eine Steigerung der Geburtenrate und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Derzeit werden die ehe- und familienbezogenen Leistungen, die auf diese Ziele wirken sollen, einer Evaluation unterzogen. Es ist jedoch fraglich, inwieweit die Schaffung finanzieller und institutioneller Rahmenbedingungen alleine zur Zielerreichung ausreicht. Wenngleich die Relevanz von finanziellen Anreizen für menschliches Verhalten unter Ökonomen weithin akzeptiert ist, spielen insbesondere im Bereich der familiären Entscheidungen auch kulturelle Faktoren (Normen und Einstellungen) eine wichtige Rolle. Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es daher, mithilfe ökonometrischer Analysen den Einfluss von kulturell bedingten Präferenzunterschieden auf die Fertilitätsentscheidung, die weibliche Erwerbstätigkeit und die Inanspruchnahme institutioneller Kinderbetreuung zu identifizieren. Dazu werden zwei komplementäre empirische Strategien verfolgt: Zum einen werden Informationen zu dem Verhalten von Migrantinnen herangezogen, die mit Daten zur Frauenerwerbsquote, der Geburtenrate sowie den Einstellungen zur Rolle der Frau in den jeweiligen Herkunftsländern verknüpft werden. Zum anderen soll die Mobilität zwischen West- und Ostdeutschland genutzt werden, um den Einfluss der unterschiedlichen Prägungen in der BRD und der DDR auf gegenwärtige Entscheidungen von Frauen bezüglich ihrer Erwerbstätigkeit und Wahl der Kinderbetreuung zu analysieren.