Die vermeintliche Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Beschäftigungsentwicklung (Okun-Relation) wird in der wirtschaftswissenschaftlichen und -politischen Diskussion als Argument für die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland und anderen europäischen Ländern angeführt. Im Rahmen des Projekts wurde untersucht, ob die für das frühere Bundesgebiet geschätzten Zusammenhänge zwischen Wachstum und Beschäftigung auch nach der Wiedervereinigung stabil geblieben sind und unter welchen Modifikationen sie sich auf die neuen Bundesländer übertragen lassen. Dabei wurde auch die Rolle arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen für die Anpassungsprozesse in den neuen Bundesländern berücksichtigt. Die bisherigen Analysen weisen darauf hin, dass obige Zusammenhänge im Zeitablauf relativ stabil geblieben sind; die Beschäftigungswirksamkeit des Wachstums hat seit dem Ölpreisschock 1974 sogar zugenommen. Obwohl in den neuen Bundesländern ein beispielloser struktureller Umbruch erfolgt und die Wirtschaftsentwicklung von massiven Anpassungsprozessen überlagert ist, lassen sich auch dort eindeutig positive Beschäftigungswirkungen des Wirtschaftswachstums feststellen. Zusätzlich wurden Analysen auf stärker disaggregierter Ebene (nach Wirtschaftssektoren bzw. Regierungsbezirken) durchgeführt, um weitere Einsichten über die Einflüsse struktureller Veränderungen (z. B. die wachsende Bedeutung des Dienstleistungssektors) auf den Zusammenhang zwischen Wachstum und Beschäftigung zu erhalten. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Analyse struktureller Änderungen dieses Zusammenhangs im Rahmen eines Ungleichgewichtsmodells, bei dem explizit zwischen verschiedenen makroökonomischen Regimes (Nachfrage- oder Angebotsbeschränkungen) unterschieden wird. Dabei wurden auch Aussagen zur Effizienz des Arbeitsmarktes bzw. zur Entwicklung des Mismatch und zu den Ursachen für diese Entwicklung (Qualifikation, regionale Unterschiede, friktionelle Arbeitslosigkeit) abgeleitet.