Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und sich verschlechternden Beschäftigungschancen Geringqualifizierter wird über eine Erweiterung bestehender Lohnsubventionen an Arbeitgeber ebenso intensiv diskutiert wie über lohnbezogene Transfers an Arbeitnehmer. Letztere sollen nach verschiedenen Vorschlägen den Anreiz von arbeitslosen Sozialhilfeempfängern bzw. Arbeitslosenhilfeempfängern erhöhen, eine Beschäftigung aufzunehmen. Die Beschäftigungseffekte dieser Maßnahmen sind jedoch umstritten. Für eine Beurteilung der Beschäftigungseffekte sind empirische Untersuchungen erforderlich. Diese liegen aber insbesondere für Deutschland kaum vor. Im Gutachten wurden die Beschäftigungseffekte ausgewählter Formen von Lohnsubventionen im Niedriglohnbereich empirisch untersucht und damit der Versuch unternommen, einen Beitrag zur Schließung dieser Lücke zu leisten. Zur Abschätzung der Beschäftigungseffekte von Lohnsubventionen im Niedriglohnbereich wurden im Projekt ökonometrische Schätzungen der Reaktion der Arbeitsnachfrage und des Arbeitsangebots auf veränderte Bruttolöhne durchgeführt (Lohnelastizitäten der Arbeitsnachfrage und des Arbeitsangebots). Dazu wurde ein Arbeitsangebotsmodell spezifiziert, das auf der gemeinsamen Entscheidung im Haushaltszusammenhang basiert und das deutsche Einkommensteuer- und Transfersystem detailliert abbildet. Eine zentrale Komponente des Modells stellt das hypothetische Nettohaushaltseinkommen bei alternativ gewählten Stundenkategorien des Haushalts dar. Dieses wurde auf der Basis eines im Projekt entwickelten Steuer-Transfer-Simulationsmodells berechnet. Das Modell basiert auf den Daten des Soziökonomischen Panels für die Jahre 1993-1996. Die Simulation erfolgte für das Jahr 1995. Die untersuchte Form der Lohnsubvention an Arbeitgeber beinhaltet eine unbefristete, degressiv gestaffelte Stundenlohnsubvention an Unternehmen für Arbeitnehmer im Niedriglohnbereich. Die Abschätzung der Beschäftigungseffekte erfolgte in einem Partialmodell des Arbeitsmarkts. Eine obere Referenzgröße wurde unter der Annahme eines vollständig elastischen Arbeitsangebots hergeleitet. In diesem Fall ergibt sich eine Erhöhung der Zahl der Beschäftigten um etwa 280.000 Personen. Werden dagegen die empirisch ermittelten Arbeitsangebotselastizitäten im Partialmodell des Arbeitsmarkts zugrunde gelegt, ergibt sich lediglich eine Erhöhung der Beschäftigung um etwa 55.000 Personen und ein deutlicher Anstieg der Bruttolöhne im Niedriglohnbereich. Die Angebotselastizitäten wurden in einem Wahlmodell geschätzt, das mögliche Restriktionen der Arbeitsanbieter nicht berücksichtigt. Zur näherungsweisen Berücksichtigung derartiger Restriktionen wurden die Elastizitäten auf hohe, aber noch als realistisch anzusehende Werte gesetzt. In diesem Fall ergibt sich eine Zunahme der Beschäftigung um etwa 100.000 Personen. Allerdings würde diese Reformalternative erhebliche Kosten verursachen, die nicht annähernd durch zu erwartende Mehreinnahmen des Staates aufgrund der höheren Beschäftigung und gestiegenen Löhne kompensiert werden. Die Nettokosten betragen nach einer groben Schätzung etwa sieben Milliarden Mark. Die untersuchten Reformoptionen in der Sozialhilfe sehen im Vergleich zum geltenden Recht eine Senkung der Transferentzugsrate für Erwerbseinkommen vor. Bei der Arbeitslosenhilfe wurde eine Reformalternative betrachtet, die einen höheren maximalen Hinzuverdienst vorsieht und die Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit für längerfristig arbeitslose Personen aufhebt. Die Umsetzung dieser Reformoptionen im Rahmen der bestehenden institutionellen Regelungen erscheint unproblematisch. Weiterhin sind die fiskalischen Kosten im Vergleich zur oben beschriebenen Lohnsubventionierung an Unternehmen wegen der Beschränkung auf eine enger eingegrenzte Personengruppe als eher gering einzuschätzen. Die Arbeitsangebotseffekte dieser Alternativen wurden auf der Basis der Schätzergebnisse für das Arbeitsangebotsmodell und des Steuer-Transfer-Simulationsmodells ermittelt. Nach den Ergebnissen der Simulationen sind von den im Projekt untersuchten Reformalternativen keine nennenswerten Beschäftigungseffekte zu erwarten. Dies resultiert zum Teil aus der relativ schwachen Reaktion des individuellen Arbeitsangebots, zum Teil aus kompensierenden Arbeitsangebotseffekten in Paarhaushalten. Außerdem führt nur ein Teil des zusätzlichen Arbeitsangebots zu einer Erhöhung der Zahl der Beschäftigten, da zum einen die Erhöhung der Beschäftigung über die Anpassung der Arbeitsstunden erfolgt, zum anderen die Arbeitsnachfrage nur schwach reagiert.

Ausgewählte Publikationen

Monographien, Beiträge in Sammelbänden

Buslei, Hermann und Viktor Steiner (1999), Beschäftigungseffekte von Lohnsubventionen im Niedriglohnbereich, LLL:citation.label.volume 42, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden.

Auftraggeber

Hans-Böckler-Stiftung , Düsseldorf , DE

Projektzeitraum

01.04.1998 - 31.12.1998

Kontakt
Projektteam

Prof. Dr. Viktor Steiner (Leitung)
Felix Brosius
Hermann Buslei
Peter Jacobebbinghaus
Ralf Martin