Die Reform der gesetzlichen Rentenversicherung (gRV) wird weithin als eines der wichtigsten politischen Reformvorhaben angesehen. Nach einem im Projekt durchgeführten und in der CD-ROM Alterssicherung KOMPETENT (vgl. Verbundprojekte) enthaltenen Vergleich langfristiger Vorausberechnungen des Beitragssatzes in der gRV ist unter den geltenden rechtlichen Regelungen mit einem deutlichen Anstieg des Beitragssatzes zu rechnen. Im Zentrum der politischen Diskussion stehen Reformvorschläge, die Modifikationen am bestehenden System vornehmen, dieses aber grundsätzlich beibehalten wollen. Von diesen Reformvorschlägen wird im Projekt eine Senkung des Rentenniveaus in Abhängigkeit von der Entwicklung der Lebenserwartung untersucht. Die Effekte einer Umfinanzierung von Rentenversicherungsbeiträgen durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wurden in einem Simulationsmodell mit überlappenden Generationen betrachtet. Die Umfinanzierung führt zwar zu einem niedrigeren Beitragssatz in der gRV, die Gesamtbelastung der Erwerbstätigen durch Steuern und Sozialbeiträge sinkt jedoch nur geringfügig. Die kurzfristigen Effekte im verwendeten Modell wurden in einer Untersuchung im Rahmen der temporären Arbeitsgruppe Makroökonomie mit den Ergebnisse anderer am ZEW verwendeter Modelle verglichen. In allen Modellen zeigte sich in der kurzen Frist nur ein geringer Anstieg der Beschäftigung. In Politik und Wissenschaft werden aber auch weitergehende Vorschläge diskutiert. Hierbei stehen Vorschläge zu einer verstärkten Kapitaldeckung der Alterssicherung im Mittelpunkt. Von diesen wird der Vorschlag eines Übergangs auf eine beitragsfinanzierte Grundrente, die die Sozialhilfe leicht übersteigt, untersucht. Daneben werden die inter- und intragenerationalen Verteilungseffekte verschiedener Vorschläge zur Reform der Besteuerung der Rentenleistungen betrachtet. Die Untersuchung erfolgt zum überwiegenden Teil in einem Überlappende-Generationen-Wachstumsmodell. In der ersten Projektphase wurde ein Simulationsmodell, das bereits für verwandte Fragestellungen verwendet wurde, weiter entwickelt und die Anpassung der endogenen makroökonomischen Größen im Ausgangsgleichgewicht an beobachtete Größen verbessert. Das Modell erlaubt nun eine Berücksichtigung unterschiedlicher Einkommensgruppen. Eine solche Unterscheidung ist eine Voraussetzung für die Untersuchung der Verteilungswirkungen eines Übergangs auf eine einheitliche Grundrente wie auch von Veränderungen in der Besteuerung von Rentenleistungen. Durch einen Vergleich mit anderen europäischen Ländern, die zu Deutschland deutlich verschiedene Rentenregelungen, insbesondere ein niedrigeres Niveau in der "ersten Säule" der Alterssicherung (Niederlande, Großbritannien), aufweisen, werden die Konsequenzen der Reformoptionen in der Praxis abgeschätzt.

Ausgewählte Publikationen

Projektzeitraum

01.08.1997 - 31.05.2000

Kontakt
Kooperationspartner

Prof. Axel Börsch-Supan, Ph. D., Universität Mannheim, Mannheim, DE
Prof. Dr. Hans Fehr, Bayerische Julius-Maximilians Universität Würzburg, Würzburg, DE
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Freiburg, DE