Die Corona Pandemie bestimmt Ende 2021 weiterhin maßgeblich das soziale und wirtschaftliche Zusammenleben in Europa. Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus wie Lockdowns und Kurzarbeit stellen die Staatsfinanzen in vielen Ländern vor Herausforderungen, durch ein Zusammenspiel von geminderten Steuereinnahmen und höheren Staatsausgaben. Um europäische Länder mit Liquidität zu versorgen, kauft die Europäische Zentralbank daher seit dem 12. März 2020 im Rahmen des eigens aufgelegten Pandemic Emergency Purchase Programms (PEPP) Staatsanleihen in enormem Volumen. Die zu Beginn vorgesehene Obergrenze von 750 Milliarden Euro ist lange überschritten und wurde bisweilen zweimal angehoben, auf nunmehr 1.850 Milliarden Euro. In dieser Größenordnung nimmt das PEPP einen festen Platz hinsichtlich seiner Bedeutung neben dem Public Sector Purchase Program ein, dem anderen weitläufigen Anleihen-Kaufprogramm der EZB. Da sich die EZB im Rahmen des PEPPs das Recht vorbehält bei der Verteilung der Anleihekäufe auf die Euro-Staaten vom EZB-Kapitalschlüssel abzuweichen, verschärft sich die ohnehin bestehende Frage zur Bedeutung der EZB für die Staatsschuldenfinanzierung in der Eurozone.  

Vor diesem Hintergrund ist es Ziel dieses Forschungsvorhabens, die Entwicklung der Anleihenkäufe innerhalb des PEPP und PSPP darzustellen, die Bedeutung für einzelne Euroländer nachzuvollziehen und Zusammenhänge mit dem EZB-Kapitalschlüssel und weiteren Kenngrößen zu analysieren. Die Resultate sind zentral für eine Bewertung der Rolle der EZB in der Staatsschuldenfinanzierung europäischer Länder, sowie der langfristigen Funktionsweise und dem Zusammenhalt in der EU.