Der Ausbruch der COVID19-Pandemie ist nicht nur eine humanitäre Krise, sondern auch ein einschneidendes ökonomisches Krisenereignis. Während der Verlauf kaum prognostizierbar ist, ist dennoch bereits heute absehbar, dass die wirtschaftlichen und finanziellen Folgen der Pandemie eine neue schwere Bewährungsprobe für die Funktionsfähigkeit der Eurozone und den Zusammenhalt der EU mit sich bringen werden. Durch die wirtschaftspolitischen Maßnahmen, um die Rezession abzudämpfen, und ausfallende Steuereinnahmen wird die Staatsverschuldung sprunghaft ansteigen. Auch wenn der Corona-Schock alle europäischen Länder trifft, unterscheiden sich die Länder doch in ihrer Ausgangsposition im Schuldenstand und damit bei den Spielräumen für zusätzliche Neuverschuldung.  

In den ersten Wochen der Corona-Krise ist zunächst die EZB zur Stabilisierung der Staatsanleihe-Märkte der Eurozone aktiv geworden und hat ein neues umfassendes Wertpapierkaufprogramm aufgelegt. Im Rahmen des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) wird das Eurosystem im Volumen von 1.350 Mrd. Euro bis mindestens Ende Juni 2021 kaufen. Ausdrücklich sind für das PEPP Regeln zu Ankaufobergrenzen außer Kraft gesetzt, die für die bisherigen Ankäufe von Staatsanleihen durch das Eurosystem galten. Auch behält sich die EZB das Recht vor, bei der Verteilung der Anleihekäufe auf die Euro-Staaten vom EZB-Kapitalschlüssel abzuweichen. Diese Entwicklung verschärft ohnehin bestehende Fragen zur problematisch gewachsenen Bedeutung der EZB für die Staatsschuldenfinanzierung in der Eurozone.  

Hochgradig kontrovers ist darüber hinaus die Frage, ob und über welche möglicherweise neuen fiskalischen Instrumente ein Beitrag zur Finanzierung der Corona-Schäden auf europäischer Ebene geleistet werden könnte. Während vor allem die höher verschuldeten Euro-Staaten sich für gesamtschuldnerisch konzipierte „Corona-Bonds“ aussprechen, favorisieren die nordeuropäischen Euroländer eher die Aktivierung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Weitgehend vernachlässigt bei dieser Debatte wird die Frage, wie Europa mit Ländern umgehen kann, die durch den Corona-Schock in eine Überschuldungssituation geraten und denen dann auch europäische bereitgestellte Liquidität nicht helfen kann, diese Situation zu bewältigen.  

Vor diesem Hintergrund ist es die Zielsetzung dieses Forschungsvorhabens die Entwicklung und Nutzung der Anleihekaufprogramme inklusive des im März 2020 aufgrund der Corona-Krise neu etablierten PEPP zu analysieren und medial zu begleiten, die Wirkungen der Anleihekaufprogramme auf die Renditen von Euro-Staaten zu untersuchen und Strategien für einen Exit der EZB aus der Euro-Staatsschuldenfinanzierung in der Post-Corona-Ära aufzuzeigen.