Getrieben von den Herausforderungen des demographischen Wandels haben viele Länder in Europa in den vergangenen Jahrzehnten ihre sozialen Sicherungssysteme und insbesondere die Rentensysteme fundamental reformiert. In den meisten Ländern führte dies zu einer Reduktion der Renteneinkommen aus den staatlichen meist umlagefinanzierten Rentensystemen und zu einer Verlagerung hin zu privaten, oft freiwilligen kapitalgedeckten Lösungen. Vermögen für das Alter aufzubauen, stellt für viele Haushalte eine Herausforderung dar. Eine Möglichkeit, Vermögen aufzubauen, ist der Erwerb von Immobilien. Allerdings sind selbstgenutzte Immobilien illiquide und im Alter zur Deckung des täglichen Konsums (abgesehen vom Wohnkonsum) begrenzt einsetzbar. Dies hat in einigen Ländern zur Entwicklung sogenannter Umkehrhypotheken oder „Reverse Mortgages“ geführt.

Umkehrhypotheken sind kapitalfreisetzende Finanzprodukte, die es erlauben, in Immobilien gebundenes Vermögen in monatliche Auszahlungen umzuwandeln. Auf diese Weise können Umkehrhypotheken zu einem regelmäßigen Einkommen im Alter beitragen, ohne dass ältere Menschen ihr Haus aufgeben müssen. Selbstnutzende Wohneigentümer verbleiben während der Laufzeit der Umkehrhypothek, oft bis zum Lebensende oder zum Umzug in eine Pflegeeinrichtung, Eigentümer und Bewohner ihrer Immobilie. Zins-und Tilgungsleistungen werden erst zu Vertragsende aus dem Wert der Immobilie beglichen, wofür der Anbieter der Umkehrhypothek eine erstrangige Grundschuld als Sicherheit erhält. In den USA und Großbritannien werden solche Finanzprodukte bereits genutzt, um Liquidität zu generieren. In Deutschland ist der Markt für Umkehrhypotheken allerdings bisher weitgehend unentwickelt. In diesem Projekt soll daher untersucht werden, warum der deutsche Markt für Umkehrhypotheken so klein ist.

Im Rahmen dieses Projekts findet auch eine Umfrage zum Thema „Soziale Sicherungssysteme“ statt. Die Befragung wird im Moment im Feld durchgeführt.