Das Internet hat sich in einem weitestgehend nicht regulierten Umfeld entwickelt. In jüngster Zeit diskutieren Ökonomen jedoch verstärkt über die Rolle von Marktmachtregulierung und allgemeiner Wettbewerbspolitik im Markt für Internetinfrastruktur. Dabei werden vor allem zwei Probleme diskutiert. Zum einen, dass Internet Service Provider der obersten Hierarchieebene einen hohen Marktanteil an der Backbone-Kapazität des Internets besitzen und auch einen hohen Marktanteil an dem im Internet transportierten Datenvolumen haben. Zum anderen wird darauf hingewiesen, dass Internet Service Provider unterer Hierarchieebenen auf eine Netzzusammenschaltung mit mindestens einem der Internet Service Provider der obersten Hierarchieebene angewiesen sind, um ihren Kunden Zugang zum gesamten öffentlichen Internet bieten zu können (universal connectivity).

In der Regulierung von Netzindustrien spielen Netzelemente, die aufgrund von Bündelungsvorteilen natürliche Monopolbereiche begründen, eine besondere Rolle. Marktmacht, die ex-ante Regulierung rechtfertigt, liegt dann vor, wenn für diese natürlichen Monopolbereiche gezeigt werden kann, dass aufgrund von Markteintrittsbarrieren mangelnde aktive Konkurrenz auch nicht durch potenzielle Konkurrenz ersetzt werden kann. Im Rahmen des Projektes wurden die Markteintrittsbedingungen in den einzelnen Netzbereichen des Internetinfrastrukturmarkts analysiert, um festzustellen, ob solche monopolistischen Engpassbereiche vorliegen.

Die Leistungen der Internet Service Provision wurden in drei Netzebenen eingeteilt und mit den Kriterien der Bottleneck-Theorie auf das Vorliegen von netzspezifischer Marktmacht untersucht. Auf der Logistikebene und auf der Diensteebene von Internet Service Provision konnte mit den Kriterien der Bottleneck-Theorie keine netzspezifische Marktmacht festgestellt werden. Auf der Netzinfrastrukturebene ist der Fernnetzbereich durch konkurrierende Infrastrukturen gekennzeichnet. Hier besteht kein natürliches Monopol und es werden neue Investitionen getätigt, die in Konkurrenz zueinander stehen. In den lokalen Anschlussnetzen ist der Wettbewerbsgrad stark von den geografischen Bedingungen in einzelnen Regionen abhängig. In Ballungszentren ist die lokale Netzinfrastruktur zunehmend durch Wettbewerb gekennzeichnet. Hier ist die Nachfrage nach breitbandigen Datenanschlüssen so hoch, dass das lokale Anschlussnetz seinen Monopolcharakter verliert. In ländlicheren Gebieten, in denen die Nachfrage nach hochwertigen Anschlüssen alleine aufgrund der Bevölkerungsdichte viel geringer ist, ist das Anschlussnetz jedoch weiterhin ein natürliches Monopol. Da ein Markteintritt mit erheblichen versunkenen Investitionskosten verbunden ist, wird der Eigentümer der lokalen Netzinfrastruktur in diesen lokalen Märkten auch nicht durch potenzielle Konkurrenten daran gehindert seine Marktmacht strategisch einzusetzen.

Ausgewählte Publikationen

Monographien, Beiträge in Sammelbänden

Projektzeitraum

01.01.2003 - 31.12.2006

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