Vor dem Hintergrund der anhaltenden Krisen in der Eurozone verfolgt das Projekt zwei Ziele. Erstens sollen die Auswirkungen auf das potenzielle Arbeitsvolumen und damit auf das Produktionspotenzial in den europäischen Krisenländern untersucht werden. Unsere Forschungsfragen lauten, ob Krisen (allgemein) tatsächlich einen langfristig negativen Einfluss auf das Produktionspotenzial über den Kanal des Arbeitsangebots haben, wie stark dieser Effekt ist und ob er durch spezifische Arbeitsmarktmaßnahmen abgemildert werden kann. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die nicht optimale Nutzung des Humankapitals in Form eines „Skill-Mismatch“, welcher im Zuge einer notwendigen Reallokation der Produktionsfaktoren in den Krisenländern entstehen kann, gelegt werden. Zweitens sollen alternative Schätzmethoden des Produktionspotenzials entwickelt werden, indem Informationen zum Finanzmarktzyklus in die Potenzialschätzung integriert werden. Der kreditgetriebene Boom in den Krisenländern hat verdeutlicht, dass von den Bedingungen auf den Finanzmärkten strukturelle und langfristig wirksame realwirtschaftliche Verwerfungen ausgehen können, die in herkömmlichen Verfahren zur Schätzung des Produktionspotenzials und der Produktionslücke bisher nicht berücksichtigt werden. Beide Fragen nach den langfristigen Krisenwirkungen sollen mit zwei unterschiedlichen methodischen Herangehensweisen untersucht werden.