Sowohl in der praktischen Politik als auch in der Wissenschaft wird zunehmend die Frage diskutiert, ob und in welcher Form der zunehmenden Umweltzerstörung durch Erhebung von Umweltabgaben (Ökosteuer) Einhalt geboten werden kann. In den Wirtschaftswissenschaften wird die Diskussion vornehmlich auf volkswirtschaftlicher Ebene geführt. Diese Betrachtungsweise weist einen hohen Abstraktionsgrad auf und lässt die einzelwirtschaftlichen Wirkungen von Ökosteuern zu sehr außer Betracht. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind die Wettbewerbs- und Allokationswirkungen von Umweltsteuern nur dann adäquat zu beurteilen, wenn man weiß, wie diese Steuern auf betriebliche Entscheidungen wirken. Solche Entscheidungen können genetischer Art, z. B. den Standort betreffend, aber auch funktionaler Natur sein, vor allem im Hinblick auf die Beschaffungs-, Produktions-, Investitions- und Finanzierungs- sowie Personal- und Absatzpolitik von Unternehmen. In einer internationalen Betrachtung sind diese Entscheidungswirkungen aufgrund länderspezifischer Ausgangsdaten unterschiedlich und stark von der konkreten Ausgestaltung der Umweltsteuern abhängig. Ob und inwieweit ein einzuführendes Ökosteuersystem in einer internationalen Betrachtung wettbewerbs- und allokationsverzerrend wirkt, hängt zudem davon ab, auf welche schon bestehenden Steuersysteme die neuen Ökosteuern in den einzelnen (europäischen) Ländern treffen und welche Kompensationsmaßnahmen eingeführt werden. Diese Fragen sind nicht zuletzt für die Harmonisierung der Steuersysteme innerhalb der Europäischen Union von großer Bedeutung. Dabei zeigte sich, dass sich bei einer europaweiten Umweltbesteuerung komparative Vorteile für den Standort Deutschland ergeben, weil die effektive Belastung durch Umweltabgaben im Rahmen des deutschen Steuersystems prinzipiell geringer ist als in den meisten übrigen Mitgliedsländern. Neben den Standortentscheidungen beeinflussen Umweltabgaben aber auch weitere unternehmerische Entscheidungen. Soweit diese nicht die intendierte Lenkungswirkung betreffen, verursachen sie steuerliche Verzerrungen, die grundsätzlich unerwünscht sind. Insbesondere die vergleichsweise hohe Belastung von ertragsschwachen Unternehmen ist hier zu nennen. Es ist daher auch nach Gestaltungsalternativen der Kompensation zu suchen, die diese unbeabsichtigten Effekte abmildern können.

Zuwendungsgeber

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn, DE

Projektzeitraum

01.11.1996 - 30.11.1998

Kontakt
Projektteam

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otto H. Jacobs (Leitung)
Dr. Tobias Eckerle
Rico Hermann
Dr. Alexander Wünsche