1. 18.09.2014 · ZEW (cfu)
    Standpunkt
    ZEW-Präsident

    In der Europäischen Union sind derzeit rund 5,5 Millionen junge Menschen im Alter bis zu 24 Jahren arbeitslos. Die Jugendarbeitslosigkeit ist kein neues Problem, aber in der jüngsten Wirtschaftskrise hat sie noch einmal stark zugenommen. Die Arbeitslosenquote ist EU-weit von 15,6 Prozent im Jahr 2008 auf 23,5 Prozent im Jahr 2013 angestiegen. Hinter diesen Durchschnittszahlen verbergen sich sehr unterschiedliche Trends in den Mitgliedstaaten. Während die Jugendarbeitslosenquote in Deutschland in diesem Zeitraum von 10,6 Prozent auf 7,9 Prozent gefallen ist, stieg sie in Italien von 21,3 Prozent auf 40 Prozent, in Spanien von 24,6 Prozent auf über 55 Prozent. Diese Unterschiede erklären sich zum einen damit, dass die deutsche Wirtschaft sich sehr schnell vom Einbruch des Jahres 2009 erholt hat, während Spanien und Italien weitaus stärker von der Finanz- und Verschuldungskrise getroffen wurden. Zum anderen bestehen Unterschiede im Bildungssystem und in den Arbeitsmarktinstitutionen. Die Vorzüge der dualen Berufsausbildung in Deutschland spielen eine große Rolle, aber andere Elemente wie Kündigungsschutzregelungen und die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmen kommen hinzu. Studien zeigen, dass Arbeitslosigkeit in der Jugend die berufliche Entwicklung der Betroffenen dauerhaft beeinträchtigt. Deshalb ist es dringend notwendig, zu handeln.

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  2. 25.07.2014 · ZEW (cfu)
    Standpunkt
    ZEW-Präsident | Steuerpolitik

    Die Erbschaftsteuer in Deutschland bringt dem Staat pro Jahr rund 4,5 Milliarden Euro ein, also nicht sehr viel, das Tabaksteueraufkommen ist beispielsweise mehr als dreimal so hoch. Trotzdem oder gerade deshalb ist die Erbschaftsteuer besonders umstritten. Ihre Anhänger wollen sie erhöhen und betonen, die kräftige Besteuerung von Erbschaften sei ein Gebot der Gerechtigkeit, denn Erben würden teils große Vermögen in den Schoß fallen, ohne dass sie dafür etwas geleistet hätten. Kritiker wenden ein, die Erbschaftsteuer bedrohe Arbeitsplätze, wenn Unternehmen vererbt werden und die Erben nicht über genug liquides Vermögen verfügen, um die Steuer bezahlen zu können.

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  3. 05.06.2014 · ZEW (cfu)
    Standpunkt
    ZEW-Präsident
    ZEW-Präsident Prof. Dr. Clemens Fuest

    Die Wahlen zum Europäischen Parlament haben zwei Dinge gezeigt: Erstens ist das Interesse der Bürger nach wie vor gering. Der Versuch, den Wahlkampf durch die Nominierung von europaweiten Spitzenkandidaten spannender zu machen, ist gescheitert. Die Wahlbeteiligung war mit 43 Prozent enttäuschend. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass es zwischen Martin Schulz und Jean-Claude Juncker inhaltlich kaum Differenzen gab. Beide stehen für 'mehr Europa', aber inspirierende Ideen zur Zukunft Europas hatte keiner der beiden zu bieten. Zweitens ist deutlich geworden, dass viele Bürger die Europawahl nutzen, um ihrem Ärger über die Regierung im eigenen Land Luft zu machen.

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  4. 09.05.2014 · ZEW (cfu)
    Standpunkt
    Steuersenkung | ZEW-Präsident | Einkommensteuerpolitik

    Die "kalte Progression" ist eigentlich eine trockene Materie, die nur Spezialisten interessiert. Trotzdem macht das Thema derzeit Schlagzeilen. Das ist so, weil unter diesem Stichwort breite Steuerentlastungen diskutiert werden, die alle Steuerzahler aufhorchen lassen. Ist der Ruf nach Steuersenkungen zum Ausgleich für die kalte Progression gerechtfertigt?

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  5. 10.04.2014 · ZEW (cfu)
    Standpunkt
    Rentenpolitik

    100 Tage nach dem Antritt einer Regierung ist es üblich, Bilanz zu ziehen. Wie ist der Start der Großen Koalition in der Wirtschafts- und Finanzpolitik zu beurteilen? Die erste wichtige Entscheidung war das Paket aus Rente mit 63 und Mütterrente. Die Mütter besser zu stellen, ist vertretbar. Aber das hätte durch Versicherte ohne Kinder finanziert werden müssen, statt die Lasten in die Zukunft zu verschieben. Schlimmer ist die Rente mit 63. Deutschland braucht Reformen, die dafür sorgen, dass wir länger arbeiten und dass mehr Menschen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Außerdem müssen die Renten sinken und verstärkt durch private Ersparnis ergänzt werden. Die Rente mit 63 erreicht das Gegenteil. Sie steigert die Ausgaben für Renten und bewirkt, dass viele Arbeitnehmer früher ausscheiden, folglich werden auch die Einnahmen der Rentenversicherung sinken. Ein Schildbürgerstreich, dessen negative Folgen künftige Beitragszahler und Rentenempfänger schmerzhaft spüren werden.

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  6. 07.03.2014 · ZEW (cfu/kbo)
    Standpunkt
    ZEW-Präsident

    Einige Verwirrung hat das Bundesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung zum OMT-Programm der EZB gestiftet. "Sieg für die EZB" titelte die Financial Times zunächst. Das Verfassungsgericht hat die Entscheidung über die Zukunft des OMT an den EuGH delegiert, und der wird das Programm durchwinken, so der erste Eindruck. Bei genauerem Hinsehen zeigte sich allerdings, dass die Lage anders ist. Das Bundesverfassungsgericht wirft der EZB vor, ihr Mandat zu überschreiten. Die Rechtfertigung der Notenbank, das OMT-Programm sei notwendig, um sicherzustellen, dass die Geldpolitik überall in der Eurozone Wirkung entfalte, bezeichnen die Richter als "irrelevant". Es sei auch nicht Aufgabe der Geldpolitik, Austritte aus der Eurozone zu verhindern. Der Aufkauf von Staatsanleihen im Rahmen des OMT-Programms sei gleichbedeutend mit Hilfsmaßnahmen des ESM, allerdings ohne parlamentarische Legitimation und Kontrolle.

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  7. 18.02.2014 · ZEW (cfu/kbo)
    Standpunkt
    ZEW-Präsident | Gerechtigkeit

    Seit vielen Jahren wird in Deutschland intensiv darüber diskutiert, dass die Alterung der Bevölkerung für die Rentenversicherung finanzielle Probleme schafft. Immer weniger Beitragszahler werden künftig die Renten von immer mehr Ruheständlern zahlen müssen. Um den Anstieg dieser Lasten in Grenzen zu halten, hat die Politik in den letzten zwei Jahrzehnten mit mehreren Reformen die Rentenleistungen gekürzt. In die Rentenformel wurde ein demographischer Faktor eingeführt und die letzte große Koalition hat die Rente mit 67 beschlossen. Das Alter, in dem man ohne Abschläge in Rente gehen kann, wird demnach bis zum Jahr 2030 schrittweise angehoben. Die Rentenversicherungsbeiträge werden in den nächsten Jahren trotzdem steigen, aber der Anstieg wird durch die Reformen erheblich gedämpft.

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  8. 11.12.2013 · ZEW (cfu/kbo)
    Standpunkt
    Koalition | ZEW-Präsident

    Wer will schon in der Vorweihnachtszeit ans Kürzen oder Sparen denken? Wir denken lieber an den Nikolaus. In einer weniger bekannten Variante der Nikolauslegende steht eine Familie im Mittelpunkt, die ihr Vermögen verjubelt hat. Der Vater ist verzweifelt. Doch in der Nacht hört er plötzlich ein leises Klimpern. Und siehe da, am nächsten Morgen findet er einen Sack mit Goldstücken im Wohnzimmer. Der Nikolaus war da. Bei der Gestaltung des Koalitionsvertrags waren Union und SPD offenbar von ähnlich festlicher Stimmung und froher Hoffnung bewegt. Eine lange Liste von Geschenken wurde da bestellt. Mütterrente, Lebensleistungsrente, Frühverrentung schon mit 63 Jahren. Da leuchten die Augen der Kinder, wenn sie an die Zukunft denken, denn auch sie werden einmal alt sein. Mindestlöhne für alle, die Mieten sollen nicht mehr steigen, die Strompreise auch nicht. Die Kommunen bekommen mehr Geld, mehr Straßen werden gebaut. Kurz, alle werden bedacht, keiner soll vergessen werden.

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  9. 02.10.2013 · ZEW (cfu)
    Standpunkt
    Steuerpolitik

    Es ist paradox. Glaubt man den Meinungsforschern, dann sind die schlechten Wahlergebnisse für SPD und Bündnisgrüne unter anderem eine Quittung für die unpopulären Steuererhöhungspläne. Die allenthalben als Wahlsiegerin gefeierte Bundeskanzlerin hat im Wahlkampf versichert, die Steuern seien hoch genug. Trotzdem wird nun über Steuererhöhungen diskutiert. Wird es wirklich dazu kommen?

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  10. 02.09.2013 · ZEW (cfu)
    Standpunkt
    Öffentliche Schulden

    Was würden wir einem Ehepaar ohne Kinder empfehlen, das in folgender Lage ist? Es ist hoch verschuldet, weil es lange über seine Verhältnisse gelebt hat. Das Eigenheim ist schön angestrichen, aber marode, es drohen hohe Reparaturkosten. Das Ehepaar hat keine Ersparnisse für das Alter aufgebaut. Nun gewinnen die beiden überraschend im Lotto, leider nur mit fünf Richtigen, dafür gibt es 50.000 Euro. Das ist nicht genug, um die finanziellen Sorgen zu beseitigen, aber trotzdem viel Geld. Wir würden empfehlen, den Gewinn auf keinen Fall für Konsum auszugeben, sondern Schulden abzubauen.

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