In Deutschland beobachten wir seit etwa 2000 eine Abnahme der Forschungsproduktivität, der Anzahl der technologieorientierten Gründungen und der Innovatorenquote. Diese Entwicklung deutet auf einen Rückgang der Bereitschaft zu Innovationsaktivitäten und des ökonomischen Erfolgs von Forschung, Entwicklung und Innovation.

Vor diesem Hintergrund veranstalten die Wissenschaftsstatistik des Stifterverbands und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), einen Workshop in dessen Mittelpunkt Diagnose, Ursachenanalyse sowie innovations- und wirtschaftspolitische Therapieansätze stehen.

Ziel soll es ferner sein mit Akteuren aus relevanten Bereichen der Forschung, der Praxis und der Politik die daraus abzuleitenden forschungs- und innovationspolitischen Notwendigkeiten sowie Handlungsoptionen zu diskutieren. Der Workshop umfasst fünf Panels mit den Themenschwerpunkten „Rückgang des Produktivitätswachstums - Diagnose und Ursachensuche“, „Nachlassende Innovationsdynamik im Unternehmenssektor“, „Digitalisierung, Innovation und Produktivität“, „Herausforderungen für die Innovationspolitik“ und „Innovationspolitische Handlungsstränge“. Impulsreferate verschiedener Expertenbeiträge werden den Hintergrund für die anschließenden Diskussionen umreißen.

Wissenschaftliche Organisation

Prof. Uwe Cantner

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Expertenkommission Forschung und Innovation

Dr. Verena Eckl

Stifterverband

Prof. Dr. Alexander Gerybadze

Universität Hohenheim

Dr. Gero Stenke

Stifterverband

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Hintergrund

In den meisten Industrieländern kann ein deutlicher Rückgang des Produktivitätswachstums in den letzten 15 Jahren – spätestens jedoch seit der Finanz- und Wirtschaftskrise – beobachtet werden. Dies hat zu einer Debatte im internationalen Raum geführt, in die sich internationale Organisationen (OECD 2015, The Future of Productivity) und Wissenschaftler (Bloom et al. 2017, Are Ideas harder to find?) eingebracht haben. Einige Experten deuten dieses Phänomen als säkulare Stagnation, das Durchlaufen einer technologischen Interimsphase, Indiz für ausgeschöpfte Potentiale der Basistechnologien oder als steigende Adaptionsprobleme technologischer Neuerungen. Andere Experten verweisen auf statistische Messprobleme und erinnern an Solows berühmten Satz „You can see the computer age everywhere but in the productivity statistics”, der als Produktivitätsparadox bekannt wurde.

Deutschland zählt zu den führenden Innovationsstandorten in Europa. Das 3%-Ziel konnte jüngst nahezu realisiert werden und weitgehend alle makroökonomischen Kennzahlen belegen den internationalen Erfolg des deutschen Innovationssystems. Aber auch in Deutschland beobachten wir einen Rückgang des Wachstums der Arbeits- und der totalen Faktorproduktivität. Die Innovatorenquote und die Anzahl technologieorientierter Gründungen sinken. Einzelne Unternehmen reagieren auf die Entwicklungen in ganz unterschiedlicher Weise: Manche Unternehmen steigern ihre Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsausgaben erheblich während andere sich aus diesen Aktivitäten zurückziehen oder sich auf einzelne Phasen im Innovationsprozess spezialisieren. Dies verengt das Spektrum der zukünftig aktivierbaren technologischen Potentiale. „Hidden Champions“ überdecken das nachlassende Innovationspotential vieler mittelständischer Unternehmen.

Sind also die oben skizzierten Entwicklungen die Resultate vielfältiger Messprobleme bei der Erfassung von Innovationen, der Forschung und Entwicklung sowie der Investitionen in neue Technologien? Spiegeln die etablierten Messansätze deren Outputs bzw. Outcomes adäquat wider? Oder deuten die verfügbaren Indikatoren tatsächlich auf aktuelle Defizite Deutschlands und damit auf eine nachlassende Innovationsdynamik in der Zukunft hin? Welche Herausforderungen spiegeln sich in der etablierten Indikatorik wider? Worin genau bestehen Defizite? Wie könnte den vorhandenen Defiziten in der Messung begegnet werden? Und messen wir überhaupt das Richtige?
Neben der Indikatorik, ihren Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten stehen insbesondere die hinter den beobachteten Entwicklungen liegenden Ursachen im Blickfeld. Hierzu sollen unterschiedliche Lösungsansätze diskutiert werden. Die Veranstaltung wirft daher auch andere Fragen auf: Welche innovationspolitischen Instrumente und Konzepte sollten zum Einsatz kommen, um aufgezeigte Defizite zu bekämpfen? Welche Erfahrungen liegen bereits zu neuen Instrumenten vor? Und wie kann die Wirkung dieser gemessen werden?

Der Workshop hat zum Ziel, die vorliegenden Diagnosen zu bewerten und zu diskutieren. Ausgewählte Experten legen mit kurzen Impulsreferaten die Basis für die Diskussionen zwischen den Mitgliedern des Panels und dem eingeladenen sachkundigen Publikum.

Standort

Termin

29.01.2018 - 30.01.2018

Veranstaltungsort

Allianz Forum

Pariser Platz 6 10117 Berlin

Wissenschaftlicher Kontakt

Dateien zum Download

LLL:Image Workshop Produktivitätsparadox