Der Beitrag untersucht, inwieweit Unterschiede in der Lebenszufriedenheit zwischen Partnern die Trennungswahrscheinlichkeit von Paaren beeinflussen. Dazu werden Paneldaten aus drei Ländern analysiert. Zentrales Ergebnis der Studie ist, dass, selbst nach der statistischen Berücksichtigung des Niveaus der Zufriedenheit und anderer relevanter Einflussgrößen, die Trennungswahrscheinlichkeit umso höher ist, je stärker sich die Partner in ihrer Lebenszufriedenheit unterscheiden. Dieser grundlegende Zusammenhang zwischen den Unterschieden in der Lebenszufriedenheit und dem Trennungsrisiko erweist sich als robust und lässt sich in allen drei untersuchten Ländern (Deutschland, Vereinigtes Königreich und Australien) nachweisen. Wir werten dieses Ergebnis als Beleg dafür, dass innerhalb des Paares Vergleiche der Lebenszufriedenheit stattfinden, und dass es eine Abneigung gegen eine ungleiche Verteilung der Zufriedenheit gibt. Der Einfluss von Einkommens- oder Statusvergleichen auf die individuelle Zufriedenheit wurde bereits in einer Reihe jüngerer Studien herausgearbeitet; der spezielle Beitrag der vorliegenden Studie liegt in ihrem Fokus auf einer plausiblen und bedeutsamen Referenzgruppe, nämlich dem eigenen Lebenspartner oder der Lebenspartnerin. Ein weiterer Beitrag besteht darin, die Bedeutung subjektiver Variablen (hier: von Unterschieden in der Lebenszufriedenheit) für objektiv messbare Ereignisse wie etwa die Trennung eines Paares aufzuzeigen. Auch für die theoretische Literatur in der Familienökonomie sind die Ergebnisse von Interesse, denn bisher wurden die Folgen einer Ungleichverteilung der Lebenszufriedenheit für den Haushalt in den theoretischen Modellen kaum berücksichtigt. Die Untersuchung geht auch der Frage nach, ob die erhöhte Trennungswahrscheinlichkeit allein Ausdruck eines schlechten Matches hinsichtlich des vor allem in der psychologischen Literatur diskutieren Baseline-Niveaus der Lebenszufriedenheit ist. (Das Baseline-Niveau ist das langfristig erreichte Niveau der Zufriedenheit.) Wir finden jedoch Anzeichen dafür, dass auch der aktuelle und nicht nur der Baseline-Wert der Zufriedenheitsdifferenz eine Rolle spielt. Dies wird in Schätzungen deutlich, die über die Zeit konstante Wirkungen eines schlechten Matches kontrollieren. Es ist demnach nicht nur das Niveau der Differenz der Lebenszufriedenheit, sondern auch die Veränderung in der Differenz, für die sich ein Zusammenhang mit dem Trennungsrisiko nachweisen lässt. Ferner zeigen die Schätzungen, dass die Unterschiede in der Lebenszufriedenheit asymmetrisch wirken: Das Trennungsrisiko ist dann besonders hoch, wenn die Frau unzufriedener ist als der Mann. Die Daten für Australien zeigen, dass in der Tat überwiegend Frauen die Scheidung einreichen, und dass diese Frauen tendenziell unzufriedener sind als ihre Noch-Ehemänner.

Guven, Cahit, Claudia Senik und Holger Stichnoth (2010), You Can't Be Happier than Your Wife: Happiness Gaps and Divorce, ZEW Discussion Paper No. 10-007, Mannheim. Download

Autoren

Guven, Cahit
Senik, Claudia
Stichnoth, Holger

Schlagworte

divorce, happiness, comparisons, panel, households, marriage