Der Handel von Emissionsrechten ist ein Schlüsselinstrument der Klimapolitik in einer zunehmenden Zahl von Ländern. Neben dem Emissionshandelssystem der Europäischen Union (EU EHS) sind ähnliche Systeme in China, Kalifornien, Australien und Südkorea in Betrieb oder im Aufbau. Oftmals werden zudem neben Emissionsobergrenzen zusätzlich Quoten für den Anteil erneuerbarer Energie in der Energieproduktion gesetzt, so wie es auch in der Europäischen Union der Fall ist. Dieses beiden Politiken müssen auch unter nicht vorhergesehenen Umständen wie der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in Europa funktionieren. Der aktuelle Preiszerfall im Europäischen Emissionshandelssystem ist nicht nur eine Folge dieser Krise. Auch überlagerungseffekte mit anderen Politikzielen wie der Quote für erneuerbare Energien spielen eine Rolle.

Der vorliegende Beitrag untersucht diese Interaktion: Mit Hilfe eines partiellen Gleichgewichtmodells werden die Wechselwirkungen zwischen Emissionshandel und Erneuerbarenquote hinsichtlich ihrer Sensitivität gegenüber unterschiedlichen Wirtschaftswachstumsraten untersucht. Das Modell bildet einen Elektrizitätssektor ab, dem zwei Optionen zur CO2-Vermeidung offen stehen. Zum einen können die Versorgungsunternehmen einen relativ günstigen Brennstoffwechsel von Kohle zu Gas durchführen. Zum anderen können sie von CO2 ausstoßenden Kraftwerken auf kostenintensive - jedoch emissionsfreie - erneuerbare Energien umsteigen. Falls das Wachstum und somit der CO2- Ausstoß hinreichend niedrig ist, ist der Brennstoffwechsel ausreichend um die Emissionsobergrenzen einzuhalten. Wird der Emissionshandel jedoch mit einer Mindestquote für Erneuerbare kombiniert, so werden die Unternehmen gezwungen die teurere Vermeidungsoption nutzen. Anders ausgedrückt entfalten die überlagerungseffekte ihre Wirksamkeit besonders in Phasen niedrigen Wirtschaftswachstums. Des Weiteren führt der überlagerungseffekt zu einer erhöhten Sensitivität des CO2-Preises gegenüber Elektrizitätsnachfrageveränderungen. Falls das Wirtschaftswachstum und somit der CO2-Ausstoß hinreichend groß ist, wird die Quote für die Nutzung von erneuerbarer Energie redundant, da die Emissionsobergrenze ohnehin nur mit Hilfe eines Wechsels hin zu erneuerbaren Energien eingehalten werden kann.

Zwei wesentliche Lektionen lassen sich aus dieser Analyse ableiten: Zum einen führt die Kombination von Emissionsobergrenze und Erneuerbarenquote zu einem gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen sensibleren CO2-Preis. Falls Entscheidungsträger einen stabilen Preis für CO2-Zertifikate favorisieren, um z.B. Investitionen in kohlenstoffarme Technologien anzuregen, kann eine Kombination aus den beiden Politikzielen unbeabsichtigte negative Konsequenzen mit sich bringen. Zum anderen zeigt sich, dass eine Kombination aus Emissionsobergrenze und Erneuerbarenquote vor allem dann zu einem niedrigen CO2-Preis führt, wenn das Wirtschaftswachstum niedrig ist. Das führt zu Zusatzkosten insbesondere dann, wenn finanzielle Mittel knapp und die Opportunitätskosten von Klimapolitik hoch sind.

Schlagworte

EU Climate Policy, Growth Uncertainty, Overlapping Regulation