Das Wort Strukturwandel ist nicht zuletzt seit der Debatte um Standortverlagerungen industrieller Produktion aus Industrieländern und dem damit verbundenen Verlust an Arbeitsplätzen mit negativen Assoziationen besetzt. Auch in der aktuellen Debatte bezüglich des Einflusses von internationalem Handel und Strukturwandel auf die Umwelt werden Befürchtungen geäußert, dass die strenge Regulierung von Emissionen in Industrieländern die Abwanderung emissionsintensiver Industrien in Länder mit weniger strengen Umweltstandards nach sich ziehen kann. Ob diese Bedenken berechtigt sind oder nicht, ist eine wesentliche Forschungsfrage dieser Studie. Dies ist insbesondere für europäische Staaten interessant, da Europas verhältnismäßig strenge Umwelt- und insbesondere Klimapolitik als potentiell schädlich für den Erhalt der europäischen Wettbewerbsfähigkeit in der globalen Weltwirtschaft angesehen wird. Um das zentrale Ergebnis unsere Studie vorwegzunehmen: Strukturwandel und internationaler Handel haben, entgegen der herrschenden Meinung, einen positiven Einfluss auf die Umwelt. Der Grund hierfür ist nicht, dass freier Handel in Industrieländern mit strenger Klimapolitik zu einer Verlagerung schadstoffintensiver Industrien ins Ausland führt, sondern dass Handel einen wohlfahrtssteigernden Einfluss hat, der schlussendlich zu erhöhter Nachfrage nach Umweltqualität und damit einhergehender Entwicklung und Nutzung umweltfreundlicherer Produktionstechnologien führen kann.

Dieses Ergebnis beruht auf einer empirischen Analyse mit Hilfe einer Datenbank, die seit Mai 2012 frei und öffentlich verfügbar ist, der World Input Output Database, kurz WIOD. Die WIOD Datenbank bietet neben einer Reihe sozioökonomischer Variablen, wie etwa Informationen zur Höhe der Produktion, der Beschäftigung, des Kapitaleinsatzes, auch damit kompatible Daten zu Luftemissionen (z.B. für Schwefeldioxid) für insgesamt 40 Länder und einen Zeitraum von 1995-2009 an. Ein weiterer und speziell für den Zweck unserer Analyse bedeutsamer Vorteil der WIOD-Datenbank ist, dass diese kompatible bilaterale Handelsdaten zwischen allen 40 Ländern bereitstellt.

Die empirische Schätzung in unsere Studie greift auf ein gängiges Standardverfahren (die ökonometrische strukturelle Dekompositionsanalyse, kurz SDA) zurück und diskutiert mögliche Endogenitätsprobleme sowie deren Lösung. Die empirische SDA schätzt dabei den Einfluss vonWirtschaftswachstum, technischer Entwicklung der Schadstoffintensität, welche durch Umweltregulierung getrieben und auch hiermit abgebildet wird, sowie natürlich des Strukturwandels und hiermit einhergehender Veränderung des Handelsvolumens auf die Schwefeldioxidemissionen eines Landes.

Mit Hilfe dieses ökonometrischen Verfahrens bieten wir eine Anwendung der WIODDaten für politisch aktuelle Fragen im Zusammenhang mit Umweltregulierung und nationaler Wettbewerbsfähigkeit an. Um die Qualität der WIOD Daten bzw. deren Eignung für empirische makroökonomische Studien zu zeigen, vergleichen wir die Ergebnisse unserer Schätzungen mit bestehenden empirischen Arbeiten. Es zeigt sich, dass die Ergebnisse unserer Analyse die vorherigen Studien bestätigen, d.h. einen positiven Effekt von internationalem Handel auf die Umweltqualität identifizieren.