Zahlreiche Studien zeigen, dass auslandsaktive Unternehmen produktiver sind als Unternehmen, die nur auf dem heimischen Markt agieren. Neuerdings wird diese Betrachtung um den Aspekt der Technologienutzung erweitert. Aktuelle Studien zeigen, dass Handelsliberalisierung zu Unternehmenswachstum führt, was wiederum die Wahrscheinlichkeit einer Investition in neue Technologien erhöhen kann, da sich das Verhältnis von fixen Kosten zu größenabhängigen Gewinnen ändert.

In dieser Studie untersuchen wir, diesen neuen theoretischen Entwicklungen folgend, ob sich Unternehmen je nach Auslandsaktivität und Technologieintensität systematisch in ihrer Produktivität unterscheiden. Entsprechend klassifizieren wir Unternehmen nach ihrer Auslandsaktivität: Unternehmen ohne Auslandsaktivität und Exporteure, und nach zwei Technologieklassen: Unternehmen, die Informationstechnologie (IT) nicht intensiv nutzen, und IT-intensive Unternehmen. Zur Analyse verwenden wir einen einzigartigen Datensatz, der Unternehmen sowohl aus dem verarbeitenden Gewerbe als auch aus dem Dienstleistungssektor Deutschlands umfasst. Für das verarbeitende Gewerbe bestätigt die empirische Analyse das bekannte Resultat, dass exportierende Unternehmen produktiver sind als Unternehmen, die nur im Inland aktiv sind. Als neues Ergebnis zeigt sich jedoch, dass innerhalb der Gruppe exportierender Unternehmen nur die relativ produktiveren auch intensiv IT nutzen.

Ähnliche Ergebnisse zeigen sich für Dienstleistungsunternehmen. Auch hier sind die exportierenden Unternehmen produktiver und die relativ produktiveren Exporteure sind die IT-intensiveren. Allerdings gibt es in der Gruppe der Unternehmen, die nicht im Ausland aktiv sind, auch zahlreiche IT-intensive Unternehmen. Wir erklären dies mit den spezifischen Charakteristika, die Dienstleistungen von klassischen Produkten unterscheiden: Da Dienstleistungen immateriell sind und häufig die Interaktion zwischen Anbieter und Kunden erfordern, ist die Erschließung ausländischer Märkte mit höheren Fixkosten verbunden. Nicht zuletzt aufgrund der Eigenschaften der Immaterialität und der Interaktivität sind Geschäftsprozesse in Dienstleistungsunternehmen grundsätzlich IT-intensiver als jene von Produktionsunternehmen. Die notwendige Größe um von IT-Investitionen zu profitieren erreichen Unternehmen im Dienstleistungssektor folglich zum Teil schon bevor sie ausreichend groß sind, um die Markteintrittskosten in den Exportmarkt zu stemmen.

Demnach scheinen aktuelle Handelsmodelle, die der Technologienutzung eine zentrale Rolle für handelsbasierte Produktivitätsgewinne zusprechen, eher die Situation im verarbeitenden Gewerbe als im Dienstleistungssektor zu beschreiben.

Schlagworte

exports, productivity, sorting, information technology, firm-level data