In diesem Aufsatz wird der Beitrag der "Creative Industries" zur Innovationstätigkeit in einer Volkswirtschaft analysiert. Drei Formen solcher Beiträge werden dabei unterschieden: Erstens die eigenen Innovationsaktivitäten der Creative Industries im Hinblick auf die Hervorbringung neuer Produkte und den Einsatz neuer Technologien, zweitens die Unterstützung von Innovationsaktivitäten anderer Unternehmen durch die Bereitstellung von kreativen Leistungen, sowie drittens die Nachfrage nach neuen Technologien und dadurch die Weitergabe von Innovationsimpulsen an die Technologieproduzenten. Unter "Creative Industries" werden all jene wirtschaftlichen Aktivitäten verstanden, die wesentlich auf den Einsatz von Kreativität, persönlichen Fähigkeiten und Talenten der Mitarbeiter beruhen und „intellektuelle Güter“ hervorbringen (im Gegensatz zur Herstellung von materiellen Waren oder von direkt konsumierten Dienstleistungen). Um Unternehmen zu identifizieren, die den "Creative Industries" angehören, wird sowohl die Wirtschaftszweigzugehörigkeit eines Unternehmens (d.h. die Zugehörigkeit zu einer Kreativbranche) als auch das Ausmaß an Kreativität, mit dem das Marktangebot des jeweiligen Unternehmens erstellt wird (in Hinblick auf die Kreativität der Mitarbeiter, die Kreativität der Produkte und die Kreativität der Prozesse) berücksichtigt. "Kreative Unternehmen" sind solche, die sowohl einer Kreativbranche angehören als auch ihre Leistungen überwiegend kreativ erbringen. Die empirische Untersuchung beruht auf einer Befragung von mehr als 2.000 kreativen Unternehmen in Österreich. Es zeigt sich, dass die "Creative Industries" nicht nur - per definitionem - eine Quelle für Kreativität sind, sondern dass sie auch in bedeutenden Umfang technologische Innovationen - d.h. neue Produkte und Prozesse - hervorbringen und selbst Forschung und Entwicklung betreiben. Bei diesen Imnovationsindikatoren erreichen sie ähnliche Werte wie die forschungsintensive Industrie und tragen somit direkt zur Innovationsleistung einer Volkswirtschaft bei. Außerdem unterstützen Kreative Unternehmen Innovationen in einer Vielzahl anderer Sektoren, sei es durch Ideen für neue Produkte, ergänzende kreative Dienstleistungen oder die Vermarktung von neuen Produkten. Kreative Unternehmen sind außerdem ein wichtiger Nutzer neuer Technologien, vor allem von IuKTechnologien. Starke eigene Innovationsaktivitäten sind dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Unterstützung von Innovationen in anderen Unternehmen. Die "Creative Industries" sind gleichzeitig ein heterogener Wirtschaftsbereich. Während Bereiche wie Software, Werbung, Beratung und technische Dienste besonders starke Innovationsbeiträge für andere Branchen liefern, leisten Architektur und Content nur wenig Innovationsunterstützung. Eine wesentliche Barriere für die volle Nutzung des innovativen Potenzials der "Creative Industries" ist die Kleinheit der Unternehmen, wodurch die zeitlichen und finanziellen Ressourcen eng begrenzt sind. Eine Innovationspolitik zur Förderung der "Creative Industries" sollte daher insbesondere an der Innovationsfähigkeit von sehr kleinen Unternehmen ansetzen.

Schopen, Kathrin, Christian Rammer und Johannes Trüby (2008), The Role of Creative Industries in Industrial Innovation, ZEW Discussion Paper No. 08-109, Mannheim, erschienen in: Innovation: Management, Policy & Practice. Download

Autoren

Schopen, Kathrin
Rammer, Christian
Trüby, Johannes

Schlagworte

Creative Industries, Innovation, R&D, Inter-sector Interaction, Innovation Policy