Es ist in der Literatur weitgehend anerkannt, dass Umweltinnovationen nicht nur markt- und technologiegetrieben sind, sondern dass auch staatliche Regulierung ein wesentlicher Impulsgeber ist. Die Auswirkungen von regulierungsgetriebenen Umweltinnovationen auf den Innovations- und Geschäftserfolg von Unternehmen sind seit langem Gegenstand kontroverser Debatten. Die zentrale Frage ist, ob sich Unternehmen mit Umweltinnovationen ähnliche Markterfolge erzielen wie mit anderen (markt- oder technologiegetriebenen) Innovationen. Die positive Antwort auf diese Frage ist bekannt als die "Porter-Hypothese". Generell postuliert die Porter-Hypothese, dass eine strikte Umweltpolitik positive Innovationseffekte generiert, d.h. die regulierungsbedingten Kosten der Einführung von Maßnahmen zur Verringerung der Umweltbelastung werden kurzfristig zumindest teilweise durch steigende Erlöse oder Kosteneinsparungen (z.B. für Energie, Wasser oder Abfall) verringert, langfristig können sie sogar überkompensiert werden. Verbesserungen der Ressourceneffizienz führen so langfristig zu einer verbesserten ökonomischen Effizienz. Porter stützte sich bei seiner Hypothese allerdings lediglich auf Fallstudien, d.h. auf anekdotische Evidenz. Ziel dieses Papiers ist es, die Hypothese mit Hilfe der Analyse von Daten einer Breitenbefragung zu regulierungsbedingten Umweltinnovationen zu testen. Die Wirkungen von Umweltinnovationen auf den Unternehmenserfolg sind grundsätzlich ambivalent. Einerseits stellen Umweltinnovationen zusätzliche Kosten für das innovierende Unternehmen dar und verringern dadurch die Rendite. Andererseits können Anbieter von Umwelttechnologien aber von einer geringeren Unsicherheit bei den Nachfragern nach Umwelttechnologien profitieren, die sich durch regulatorische Standards und nachfragestimulierende Effekte von Regulierungen (z.B. Einführungsverpflichtungen) ergeben. Wir untersuchen,(a) ob regulierungsgetriebene Umweltinnovationen einen ähnlichen Innovationserfolg bewirken wie andere Arten von Produkt- und Prozessinnovationen, und (b) ob sie positive oder negative Effekte auf den Gewinn der Unternehmen haben. Die Analyse, die auf Daten des Mannheimer Innovationspanels (MIP) basiert, zeigt, dass regulierungsbedingte Umweltinnovationen (sowohl Produkt- als auch Prozessinnovationen)einen vergleichbaren Innovationserfolg aufweisen können wie andere Innovationen. Es gibt allerdings Unterschiede bezüglich der verschiedenen Felder der Umweltpolitik. Regulierungsbedingte Innovationen im Bereich der nachhaltigen Mobilität sind beispielsweise erfolgreicher als Innovationen im Bereich des Wassermanagements. Bezüglich des Unternehmenserfolges zeigt sich ein positiver Effekt bei Produktinnovatoren im Bereich Recycling und Abfallmanagement. Für Unternehmen, die umweltfreundliche Technologien im Bereich nachhaltige Mobilität adoptieren, verschlechtert sich dagegen die Umsatzrendite aufgrund von höheren Kosten dieser Prozessinnovationen, denen kaum Kosteneinsparungen gegenüber stehen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Umweltinnovationen im Durchschnitt nicht weniger erfolgreich sind als andere Innovationen. Die Feststellung Porters, dass Ressourceneffizienz positiv zur ökonomischen Effizienz beitragen kann, und die Wettbewerbsfähigkeit nicht zwangsläufig verschlechtern muss, kann bestätigt werden. Es gibt aber Gewinner und Verlierer von Umweltpolitik. Die Gewinner finden sich auf Seiten der Technologieanbieter, wie z.B. der Automobilindustrie, während die Adaptoren dieser Technologien die Kosten zu bezahlen haben, und eine Verschlechterung ihrer Wettbewerbsposition hinnehmen müssen.

Schlagworte

Environmental Innovation, Environmental Regulation, Innovation Success, Porter Hypothesis