Zum Schutz des Weltklimas haben sich zahlreiche Staaten im Rahmen des Kyoto Protokolls dazu verpflichtet, ihren Ausstoß an Treibhausgasen zu senken. Dazu wurde in Europa ein Handelssystem für Treibausgasemissionen eingeführt. Durch das Europäische Emissionshandelssystem (EU EHS) soll der CO2-Ausstoß bei Energieversorgungsbetrieben und in der Industrie bis 2020 um 21% reduziert werden. Die im EU EHS regulierten Unternehmen sind in mehrfacher Hinsicht heterogen. Zum einen unterscheiden sie sich deutlich in ihren jährlichen Emissionsmengen, zum anderen ist auch die verwendete Produktionstechnologie, bei deren Nutzung CO2-Emissionen anfallen, höchst heterogen. Da es bisher keine einfache Möglichkeit gibt, CO2-Emissionen zu mindern, z.B. durch nachsorgende additive Vermeidungsmaßnahmen (engl. end-of-pipe), müssen Vermeidungsoptionen in vielen Bereichen individuell für einzelne Prozesse entwickelt werden. Den regulierten Unternehmen können bei der Suche nach passenden Technologien zur CO2-Minderung Such- und Informationskosten entstehen. Damit unterscheidet sich das EU EHS von anderen Schadstoffregulierungssystemen, etwa dem US amerikanischen SO2-Handelssystem. Im US SO2-Handelssystem wurde im Wesentlichen nur eine Technologie reguliert, nämlich die Verbrennung von fossilen Rohstoffen zur Energiegewinnung. Zudem waren nachsorgende additive Vermeidungsmaßnahmen (insb. SO2-Waschanlagen) auf Märkten verfügbar. In diesem Aufsatz wird ein ökonomisches Modell präsentiert, das anhand eines Vergleiches der oben genannten Systeme aufzeigt, welche Bedeutung technologische Komplexität von Schadstoffvermeidungstechnologien und Heterogenität von regulierten Unternehmen für die Ausgestaltung von Schadstoffregulierungssystemen haben kann. Ein hoher Grad an technologischer Heterogenität kann dazu führen, dass Vermeidungstechnologien nicht in ausreichendem Maße durch Märkte zur Verfügung gestellt werden, insbesondere dann, wenn bestimmte Technologien nur von einer geringen Anzahl von regulierten Emittenten genutzt werden. Sind die technologischen Prozesse komplex, so kann dies zudem zu relativ hohen Such- und Informationskosten für die regulierten Emittenten führen. Da regulierte Unternehmen mit relativ geringen Emissionsmengen im Durchschnitt auch geringere absolute Potenziale zur Kostensenkung aufweisen als größere Emittenten, kann es zu Situationen kommen, in denen Such- und Informationskosten kleinere Emittenten oder Unternehmen mit hoher technologischer Komplexität an der Identifikation oder Entwicklung von Vermeidungstechnologien hindern. Aus dem Modell leiten sich wichtige Erkenntnisse für eine optimale Regulierung von Schadstoffen ab, die unter komplexen technologischen Prozessen anfallen. Dies hat besondere Relevanz in Hinblick auf die Regulierung von Treibhausgasen. So zeigt sich, dass induzierter technologischer Wandel gehemmt werden kann, wenn vornehmlich kleine Emissionsquellen reguliert werden, die komplexe technologische Prozesse verwenden. Dem kann durch eine Minderung der anfallenden Such- und Informationskosten entgegengewirkt werden, etwa durch die Stärkung von Forschungskooperationen und Wissensaustausch, die Stärkung und Vernetzung von Märkten, die benötigte Technologien entwickeln und anbieten können, die Verringerung der Unsicherheit über zukünftige Kosten der Regulierung in einem mengenbasierten Regulierungssystem wie dem EU EHS oder dem Ausbau der Grundlagenforschung. Alternativ wäre es möglich, kleinere Emittenten aus der Regulierung auszunehmen oder anders zu regulieren. Weiterer Forschungsbedarf besteht noch hinsichtlich der Maßnahmen die sich optimal zur Flankierung bestehender Regulierungssysteme eignen (policy-mix) bzw. der Bestimmung des optimalen Umfangs von Regulierungssystemen.

Autoren

Heindl, Peter

Schlagworte

Quantity Regulation, Transaction Costs, Technological Complexity, Induced Technological Change, Emissions Trading