Bei der privaten Bereitstellung öffentlicher Güter entscheiden Individuen über ihren freiwilligen Beitrag zu einem gemeinsamen Projekt oder – analog – sie einigen sich auf ein gemeinsames Bereitstellungsniveau in Verbindung mit einer Regel zur Lastenverteilung. Diese Entscheidungsfindung ist besonders dann schwierig, wenn die Akteure neben Freifahreranreizen über unterschiedliche Interessen aufgrund heterogener individueller Präferenzen verfügen. Ein wichtiges Beispiel für dieses Problem ist die Debatte über eine gerechte Lastenverteilung bei der Emissionsreduktion in der internationalen Klimapolitik. Das Ziel dieses Papiers ist es, experimentell zu untersuchen, inwieweit unterschiedliche Regeln zur Lastenverteilung das gemeinsame, von jedem Akteur akzeptierte, Bereitstellungsniveau eines öffentlichen Guts beeinflussen. Dabei fokussiert sich die Fragestellung auf regelbasierte Beitragsmechanismen, welche sich aus dem Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners ableiten lassen: Das Minimum aller Vorschläge über einen individuellen Beitrag zum gemeinsamen Projekt bildet dabei eine untere Grenze für die anschließende Beitragsentscheidung. Dieses Prinzip spiegelt sich in vielen internationalen Verhandlungen wider: Alle Teilnehmer müssen eine entsprechende Vereinbarungen unterschreiben und ratifizieren, bevor diese in Kraft tritt und bindend für sie ist. Dabei ist der Vorschlag mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner oftmals ausschlaggebend. In einem Laborexperiment werden verschiedene Minimum-Beitragsregeln auf Basis des Prinzips des kleinsten gemeinsamen Nenners in einem Öffentlichen-Gut-Spiel getestet und verglichen. Die Agenten unterscheiden sich in ihrem Nutzen aus dem gemeinsamen Projekt. Die experimentelle Anordnung ermöglicht dabei einen Vergleich von Regeln, die die Koordination der gesamten Gruppe verlangen, mit Mechanismen, welche eine Koordination unter jeweils gleichen Spielern vorsehen. Die Ergebnisse zeigen, dass sämtliche Minimum-Beitragsregeln den Gewinn der Spieler gegenüber der Standardanordnung, in der das öffentliche Gut ohne zusätzliche Regeln nur durch freiwillige Beiträge aller Spieler bereitgestellt wird, signifikant erhöhen. Hervorzuheben ist dabei, dass im Vergleich zu allen anderen untersuchten Mechanismen eine Regel, welche die Gewinne der heterogenen Spieler durch unterschiedliche Beitragsforderungen ausgleicht, zumindest einige Akteure besser und niemand schlechter stellt. Dieses empirische Resultat lässt vermuten, dass eine entsprechende Regel zur Lastenaufteilung in der Bereitstellung öffentlicher Güter, welche alle Spieler miteinbezieht und explizite Umverteilungsmechanismen berücksichtigt, erhebliche Kooperationsgewinne realisieren kann. Diese Erkenntnisse tragen damit zur Erforschung effizienter institutioneller Rahmenbedingungen für die private Bereitstellung öffentlicher Güter bei und liefern gleichzeitig einen Beitrag zur derzeitigen Diskussion in der internationalen Klimapolitik über alternative Möglichkeiten zur Ausgestaltung eines Kyoto Nachfolgeabkommens.

Schlagworte

public goods, institutions, minimum contribution rules, cooperation, heterogeneity