Weiterbildungsmaßnahmen sind ein wichtiger Bestandteil der Aktiven Arbeitsmarktpolitik in Deutschland und in vielen anderen Ländern. Neben verschiedenen Typen von Weiterbildungsangeboten gibt es auch bedeutende Unterschiede innerhalb eines Typs von Weiterbildung, insbesondere in Bezug auf die Dauer der Maßnahme. Die Dauer der Maßnahme ist eine wesentliche Dimension der Programmheterogenität, die bisher in der Literatur wenig untersucht wurde. Das liegt vermutlich daran, dass die Untersuchung der Effekte unterschiedlicher Programmlängen dadurch erschwert wird, dass viele Teilnehmer nicht so lange an der Maßnahme teilnehmen, wie es ursprünglich geplant war. Stattdessen brechen sie die Maßnahme ab, bevor sie das geplante Ende erreichen, oder sie nehmen länger teil als ursprünglich geplant. Die Entscheidung, die Programmteilnahme zu verkürzen oder zu verlängern, hängt vom Erfolg der Beschäftigungssuche ab – ein Problem, das bei der Untersuchung des Effekts von verschiedenen Maßnahmenlängen nicht vernachlässigt werden darf. Zusätzlich hängt auch die Zuweisung einer Weiterbildungsmaßnahme vom Erfolg bei der Beschäftigungssuche ab, denn in Deutschland können dem Arbeitslosen zu jedem Zeitpunkt Weiterbildungsmaßnahmen zugewiesen werden, allerdings nur, solange er noch nicht wieder in Beschäftigung eingetreten ist. Darüber hinaus wird die Wahrscheinlichkeit, in eine Maßnahme oder in Beschäftigung überzugehen, potenziell von in den Daten beobachtbaren Eigenschaften (wie z.B. Alter und Bildungsgrad) und von in den Daten unbeobachtbaren Eigenschaften (wie z.B. charakterliche Eigenschaften) beeinflusst. In der vorliegenden Studie schlagen wir ein ökonometrisches Modell vor, das diese Selektionsmechanismen berücksichtigt. Außerdem entwickeln wir eine Strategie, die es erlaubt, wichtige Maßnahmeneffekte auf Basis der Schätzergebnisse zu simulieren. Wir evaluieren ein wichtiges Programm der beruflichen Weiterbildung in Deutschland (Förderung der beruflichen Weiterbildung), das berufliche Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt. Die Maßnahmen dauern im Durchschnitt acht Monate, aber die geplanten Dauern variieren zwischen einigen Wochen und mehr als einem Jahr. Wir verwenden reichhaltige administrative Daten und führen separate Schätzungen nach Geschlecht und Region (Ost- und Westdeutschland) durch. Für alle Untergruppen finden wir positive Effekte der Maßnahmenteilnahme auf die Beschäftigungswahrscheinlichkeit, die sich drei bis vier Quartale nach Maßnahmebeginn herauskristallisieren. Erstens kommen wir zu dem Ergebnis, dass zehn Quartale nach Maßnahmebeginn die Beschäftigungsraten der Teilnehmer im Schnitt 12 bis 21 Prozentpunkte höher sind, als sie ohne Teilnahme an einer Maßnahme gewesen wären. Die Effekte sind für Frauen größer als für Männer und in Westdeutschland größer als in Ostdeutschland. Zweitens verwenden wir unsere Schätzergebnisse für die Simulation des Effektes von einem Weiterbildungsbeginn zu einem bestimmten Zeitpunkt im Vergleich zu der Situation, zu diesem Zeitpunkt keine Weiterbildung zu beginnen, aber vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt. Unser Ergebnis ist, dass dieser Effekt – also der Effekt, jetzt an einer Maßnahme teilzunehmen statt erst einmal abzuwarten, – etwa ein Drittel kleiner ist als der Effekt der Teilnahme gegenüber Nichtteilnahme. Drittens verwenden wir unsere Ergebnisse, um zu untersuchen, wie Maßnahmeneffekte sich für verschiedene geplante Maßnahmendauern unterscheiden. Während einer Maßnahme suchen Teilnehmer oftmals weniger intensiv nach einer Beschäftigung als Nichtteilnehmer. Darum ist der Beschäftigungseffekt einer Maßnahme typischerweise zunächst negativ und positive Maßnahmeneffekte entstehen erst einige Zeit nach Ende der Maßnahme. Unsere Untersuchung ermöglicht es, explizit die Frage zu untersuchen, ob kurzfristig negative Effekte notwendig sind, um langfristig ökonomisch bedeutende positive Effekte zu erreichen, oder ob vergleichbare langfristige Effekte durch kürzere Maßnahmen zu geringeren Kosten erzielt werden können. Es zeigt sich, dass eine geplante Dauer von drei bzw. vier Quartalen gegenüber einer geplanten Dauer von nur zwei Quartalen zu einer mittel- und langfristigen Erhöhung der Beschäftigungsrate von vier bis sechs bzw. sechs bis elf Prozentpunkten führt. Das Ergebnis legt nahe, dass längere Weiterbildungsmaßnahmen im Durchschnitt zu höheren langfristigen Beschäftigungsgewinnen führen.

Fitzenberger, Bernd, Aderonke Osikominu und Marie Paul (2010), The Heterogeneous Effects of Training Incidence and Duration on Labor Market Transitions, ZEW Discussion Paper No. 10-077, Mannheim. Download

Autoren

Fitzenberger, Bernd
Osikominu, Aderonke
Paul, Marie

Schlagworte

evaluation, active labor market programs, dynamic non–linear panel data models, MCMC