Im Jahre 2002 hat die Schweizer Wettbewerbskommission eine Bekanntmachung über die wettbewerbsrechtliche Behandlung vertikaler Abreden im Kraftfahrzeughandel eingeführt. Ziel der Bekanntmachung war es, denWettbewerb im Schweizer Automobilmarkt zu stärken, insbesondere durch die Vermeidung von Preisabsprachen und Marktabschottung einerseits sowie die Stimulierung von Wettbewerb beim Neuwagenverkauf und im Bereich Service andererseits. Die Bekanntmachung folgt in den wesentlichen Punkten den Regelungen der Europäischen Kommission im Bezug auf den Automobilmarkt. In diesem Papier untersuchen wir die Effekte der Bekanntmachung auf den Wettbewerb im Schweizer Automobilmarkt. Auf Basis einer Befragung verschiedener Gruppen von Schweizer Marktteilnehmern stellen wir fest, dass der Einfluss der Bekanntmachung auf den Wettbewerb im Schweizer Automobilmarkt als relativ gering eingeschätzt werden muss. Die offensichtlichsten Änderungen lassen sich im Markt für Service sowie dem Handel mit Ersatzteilen beobachten. In diesen beidenMärkten wurde ein intensivererWettbewerb zwischen größeren Händlern und unabhängigen Serviceketten durch einen vereinfachten Zugang zu Ersatzteilen verschiedener Qualitätsgrade sowie den notwendigen technischen Informationen erleichtert. Im Markt für Neuwagenverkäufe konnte ferner eine Restrukturierung und teilweise auch Konsolidierung des Händlernetzwerks beobachtet werden. Die Bekanntmachung hat diese Entwicklungen erleichtert, da sie als Gelegenheit aufgefasst wurde, neue Verträge mit den Händlern zu verhandeln. In diesem Zusammenhang hat die Bekanntmachung allerdings auch zu einer großen Unsicherheit zwischen Händlern und Autoimporteuren geführt und auf diese Weise den Marktzutritt erschwert. In Ergänzung dazu verdeutlicht die Befragung, dass einige abgeleitete Ziele der Bekanntmachung entweder gar nicht oder nur teilweise erreicht wurden. Dies betrifft beispielsweise die Bedeutung des Mehrmarkenverkaufs, die Trennung von Service und Verkauf, die Unabhängigkeit der Händler von den Autoimporteuren, die Bedeutung von Parallelimporten sowie generell den intrabrand Wettbewerb im Markt für Neuwagenverkäufe. Generell muss abschließend betont werden, dass trotz der Identifizierung bestimmter Änderungen im Markt diese typischerweise nicht ausschließlich als Folge der Bekanntmachung angesehen werden können, sondern vielmehr auch das Ergebnis genereller Marktentwicklungen sind, die zu einem teilweise intensiveren Wettbewerb in der Schweiz geführt haben. Wir finden allerdings einige Hinweise darauf, dass dieser Prozess durch die Bekanntmachung positiv unterstützt wurde. Insgesamt scheinen die Effekte der Bekanntmachung auf dem Schweizer Automobilmarkt sehr vergleichbar mit den Effekten der 2002 EU Gruppenfreistellungsverordnung auf dem Europäischen Automobilmarkt zu sein.

Leheyda, Nina, Patrick Beschorner und Kai Hüschelrath (2011), The Effects of the Block Exemption Regulation Reform on the Swiss Car Market, ZEW Discussion Paper No. 11-034, Mannheim, erschienen in: European Competition Law Review. Download

Autoren

Leheyda, Nina
Beschorner, Patrick
Hüschelrath, Kai

Schlagworte

Vertical agreements, automobile market, multibranding, intrabrand competition, interbrand competition, ex-post evaluation of competition policy