Das Thema Anpassung an den Klimawandel gewinnt eine immer größere Bedeutung in der politischen und wissenschaftlichen Debatte. Eine Ursache hierfür liegt in dem bereits heute spürbaren Klimawandel, der sich in den nächsten Jahrzehnten weiter beschleunigen wird. Zugleich müssen die Erfolgsaussichten eines effektiven globalen Klimaschutzabkommens als unsicher eingeschätzt werden. Die ökonomische Analyse der durch den Klimawandel bedingten Verhaltensänderungen steht jedoch erst am Anfang – die wenigen verfügbaren Studien beschränken sich oftmals auf spezifische Anpassungsaspekte. Vor diesem Hintergrund verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel, einen allgemeinen ökonomischen Ansatz für eine wirtschaftspolitische Analyse der Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. Dieser ökonomische Ansatz erlaubt eine Unterscheidung zwischen autonomer Anpassung privater Akteure einerseits und kollektiver Anpassung staatlicher Institutionen andererseits. Die Arbeit folgt dem ökonomischen Grundparadigma effizienter Wettbewerbsmärkte, in dem Eingriffe des Staates zunächst nur bei Marktversagen zu rechtfertigen sind. Bei Anpassungsmaßnahmen ist die wichtigste Form von Marktversagen die Bereitstellung öffentlicher Güter, wie z.B. der Deichbau oder meteorologische Informationssysteme. Außerdem werden weitere Motive politischen Handelns, Verteilungsgerechtigkeit und Versorgungssicherheit, im Zusammenhang mit Anpassungsmaßnahmen diskutiert. Aufbauend auf der allgemeinen ökonomischen Analyse der Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel wendet die Arbeit die gewonnenen Erkenntnisse auf den Fall Deutschlands an. Aufgrund seiner Größe, seiner geografischen Lage und seiner sektoralen Struktur stellt Deutschland ein geeignetes Fallbeispiel dar, um Effekte des Klimawandels und die Entwicklung geeigneter Anpassungsstrategien in Industriestaaten, vor allem in der Europäischen Union, zu untersuchen. Die Ausführungen basieren auf der verfügbaren Literatur und umfassen die folgenden, vom Klimawandel besonders betroffenen Sektoren: Landwirtschaft, Energie, Wasser und Küstenschutz sowie Gesundheit. Während aus ökonomischer Sicht bei Landwirtschaft und Energie Anpassung vor allem von privaten Akteuren geleistet werden sollte, gibt es in den Sektoren Wasser, Küstenschutz und Gesundheit eine Reihe von Staatsaufgaben. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass in Deutschland neben den negativen Wohlfahrtseffekten des Klimawandels in einzelnen Bereichen, wie z.B. in der Landwirtschaft, auch positive Auswirkungen zu erwarten sind. Eine differenzierte Anpassungsstrategie von Konsumenten, Unternehmen und staatlichen Entscheidungsträgern erfordert deshalb eine vertiefte Erforschung der Klimaveränderungen und – auswirkungen in einzelnen Sektoren und Lebensbereichen.

Schlagworte

climate change, adaptation, market failure, insurance