Die Schwierigkeit etablierter Firmen, zu innovieren, wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Basierend auf ihren bürokratischen und hierarchischen Strukturen wird etablierten, großen Unternehmen eine gewisse Trägheit bezüglich innovativer Aktivitäten nachgesagt. Im Gegensatz dazu sind Marktneueinsteiger flexibler und innovativer, was einen Prozess "kreativer Zerstörung" in Gang setzt. Ein Zweig der betriebswirtschaftlichen Literatur argumentiert jedoch, dass auch etablierte Unternehmen bestimmte Maßnahmen treffen können, um ihre Innovationstätigkeit zu steigern. Insbesondere werden Unternehmensausgründungen ("Corporate Venturing") als eine solche Maßnahme beschrieben. Diese Strategie empfiehlt, dass gegenwärtige Marktführer unabhängige Geschäftseinheiten formieren, die nicht der innovationsbezogenen Trägheit des Großunternehmens unterliegen. Infolgedessen können solche Ausgründungen schneller und flexibler auf Innovationsmöglichkeiten reagieren. Unternehmensausgründungen profitieren zusätzlich zu ihrer operativen Unabhängigkeit von den Ressourcen der Mutterunternehmen. In der Praxis kommt es jedoch oft vor, dass die Mutterunternehmen zu viel Kontrolle auf Tochterunternehmen ausüben. Dies kann dazu führen, dass die vermeintlich unabhängigen externen Unternehmenseinheiten in ihrer Innovationstätigkeit stark eingeschränkt sind und daher keine radikalen Innovationen hervorbringen. In dieser Studie untersuchen wir empirisch, welcher der beiden Effekte überwiegt: der positive Effekt auf die Innovationstätigkeit der externen Unternehmung durch den verbesserten Zugang zu Ressourcen oder der negative Effekt durch die ausgeübte Kontrolle durch das Mutterunternehmen. Unsere Datenbasis umfasst etwa 2.500 junge Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in Deutschland im Zeitraum von 1993-2007. Die Ergebnisse zeigen, dass diejenigen Unternehmen, die von Gründung an Unterstützung durch ein großes, etabliertes erfahren, radikaler innovieren als eine Kontrollgruppe von unabhängigen Unternehmen. Die radikale Innovationstätigkeit der Ausgründung wird jedoch durch ein konzentriertes Eigentumsverhältnis vermindert, da etablierte Unternehmen dadurch einen Anreiz haben, zu viel Kontrolle auf die vermeintlich unabhängige Unternehmensausgründung auszuüben. Dadurch fehlen den Geschäftsführern der Ausgründung Freiräume, eigene Entscheidungen zu treffen, was unabhängiges Handeln und insbesondere radikales Innovieren erschwert. Großunternehmen, die Ausgründungen als Innovationsstrategie heranziehen, müssen den Anreiz, Kontrolle auszuüben, gegen den Vorteil der operativen Unabhängigkeit des ausgegründeten Unternehmens abwägen. Unsere Studie endet mit Vorschlägen, wie eine solche Balance erzielt werden kann.

Schlagworte

corporate entrepreneurship; start-ups; radical innovation