Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts war in der US-amerikanischen Luftverkehrsindustrie ein substanzieller Konsolidierungstrend zu beobachten. Neben einigen größeren Fusionen wie beispielsweise American Airlines – Trans World Airlines (2001), America West – US Airways (2005) und Delta Air Lines – Northwest Airlines (2009) gingen einige kleinere Fluggesellschaften wie National Airlines (2002), Independence Air (2006) und ATA Airlines (2008) in Konkurs und verließen die Industrie.

Trotz dieser festgestellten hohen Relevanz von Firmenaustritten für die jüngeren Entwicklungen der US-amerikanischen Luftverkehrsindustrie sind empirische Untersuchungen zu den ökonomischen Effekten dieser Konsolidierungen sehr spärlich gesät. Während Studien mit einem Fokus auf konkursbedingte Firmenaustritte nach unserem Kenntnisstand gar nicht existieren, konzentrierten sich fast alle existierenden Studien zu den wettbewerblichen Effekten von Fusionen zwischen Fluggesellschaften auf Fälle aus den 1980er Jahren. Diese Fusionen waren allerdings gekennzeichnet von einem stark überlappenden Luftverkehrsnetz der fusionieren Parteien (bedingt durch einen gemeinsamen Hub-Flughafen); ein Merkmal, das aktuellere Fusionen nicht aufweisen. Es liegt daher nahe, nicht nur ein neues konzeptionelles Grundgerüst für eine Analyse der wettbewerblichen Effekte solcher Firmenaustritte zu entwickeln, sondern dieses in der Folge mit einer empirischen Analyse von konkurs- und fusionsbedingten Firmenaustritten zu kombinieren.

Vor diesem Hintergrund untersuchen wir die wettbewerblichen Effekte von fünf Konkursen und sechs Fusionen im US-amerikanischen Luftverkehr zwischen 1995 und 2010. Im Zuge der Anwendung verschiedener Paneldatenmodelle mit fixen Effekten stellen wir fest, dass konkursbedingte Marktaustritte zu substanziell höheren und permanenten Preisanstiegen (von durchschnittlich 12 Prozent) führen als fusionsbedingte Austritte. Innerhalb der Kategorie der fusionsbedingten Marktaustritte zeigt unsere empirische Analyse, dass auf überlappenden Streckenmärkten die Preise durchschnittlich um 6 Prozent in der kurzen Frist ansteigen, während für Routen, auf denen nur ein fusionsbedingter Wechsel der Fluggesellschaft stattfindet, Preisanstiege von durchschnittlich 3 Prozent zu beobachten sind. Im Einklang mit diesen Ergebnissen finden wir eine große Reduktion der angebotenen Kapazitäten im Falle von Konkursen und einen eher moderaten Rückgang im Falle von Fusionen. Verstärkter Markteintritt nach den entsprechenden Firmenaustritten kann insbesondere bei Konkursen und Fusionen von kleineren Fluggesellschaften festgestellt werden.

Hüschelrath, Kai und Kathrin Müller (2012), The Competitive Effects of Firm Exit - Evidence from the U.S. Airline Industry, ZEW Discussion Paper No. 12-037, Mannheim. Download