In einem Markt, wo Unternehmen Marktmacht besitzen, lässt sich der Einfluss einer Veränderung der Löhne auf die Arbeitsnachfrage nicht leicht bestimmen. Falls infolge einer Reduzierung der Löhne ein Unternehmen seine Arbeitsnachfrage erhöht, um mehr zu produzieren, so nimmt der Preis des Produkts ab; dieses wiederum kann Wettbewerber dazu führen, ihre Produktion und somit auch ihre Arbeitsnachfrage zu senken. Wir zeigen, dass diese Ambiguität auf Firmenebene im Aggregat auf Industrieebene verschwinden kann: unter Restriktionen, die empirisch widerlegbar sind, führt eine Zunahme der Löhne zu einer Abnahme der Beschäftigung. Das Le Chatelier Prinzip besagt, dass die Sensitivität der Nachfrage nach einem Produktionsfaktor zu Veränderungen in seinem eigenen Preis kleiner ist, wenn die Produktion konstant gehalten wird, als wenn sie angepasst wird. Diese Aussage ist gültig bei perfektem sowie imperfektem Wettbewerb, solange das Produktionsniveau der anderen Wettbewerber konstant bleibt. Ein erstes Ziel dieses Papiers ist die Erweiterung des Le Chatelier Prinzips auf den Fall, wo das Produktionsniveau der anderen Wettbewerber variieren darf. Bei einem festen Produktionsniveau wird ein Unternehmen den Faktor, dessen Preis sinkt, intensiver benutzen, zuungunsten der anderen Faktoren (Substitutionseffekt). Kann die Produktion angepasst werden, um den Profit zu maximieren, wird das Unternehmen weiter von der Preissenkung profitieren können (Expansionseffekt). Unter perfektem Wettbewerb führt dieser Expansionseffekt zu einer weiteren Zunahme der Nachfrage nach diesem Faktor. Bei imperfektem Wettbewerb ist die Richtung des Effekts weniger klar: falls alle Wettbewerber ihre Produktion erhöhen, sinkt der Preis des Produkts und somit auch der Anreiz Produktion und Faktornachfrage zu erhöhen. Wir untersuchen die aggregierten Nachfragenreaktionen in Märkten, die durch einen spezifischen Typ des unvollständigen Wettbewerbs, nämlich Cournot Wettbewerb, gekennzeichnet sind. Wir zeigen dass, trotz der Unklarheit der Reaktion der Unternehmen, der aggregierte Expansionseffekt negativ sein dürfte. Diese Implikation aus der Modellanalyse wird auf ihre empirische Validität untersucht. Die Zerlegung der Auswirkungen von Faktorpreisveränderungen in Substitutions- und Expansionseffekte erfordert die Verwendung unternehmensspezifischer Kostenfunktionen als Ausdruck der Heterogenität der Unternehmen. Wir definieren die aggregierte Kostenfunktion als den bedingten Erwartungswert der mikroökonomischen Kostenfunktion, gegeben die verfügbare Information. Wir zeigen, dass es in diesem Rahmen möglich ist, den bedingten Erwartungswert des Substitutions- und des Expansionseffekts anhand von aggregierten Daten zu ermitteln. Die empirische Anwendung beruht auf einem Panel für 18 verarbeitende Industrien der USA für den Zeitraum 1949-2001. Für diese Industrien ermitteln wir die Höhe der Skalenerträge, den Umfang der aus Marktmacht resultierenden Gewinne sowie die kurze und die langfristige Reaktion der Faktornachfragen auf Preisveränderungen und die Auswirkungen von Kostenveränderungen auf die Wertschöpfung. Die empirischen Ergebnisse bestätigen die Gültigkeit des Le Chatelier Prinzips.

Koebel, Bertrand und Francois Laisney (2010), The Aggregate Le Chatelier Samuelson Principle with Cournot Competition, ZEW Discussion Paper No. 10-009, Mannheim. Download

Autoren

Koebel, Bertrand
Laisney, Francois

Schlagworte

Aggregation, Returns to Scale, Market Power, Markup, Own-Price Elasticity.