Der European Tax Analyzer
Beispiele für Berechnungsergebnisse:
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Im Rahmen der stetig durchgeführten internationalen Steuerbelastungsvergleiche bzw. im Zusammenhang mit der Beurteilung von Steuerreformvorschlägen in Deutschland wurden mit dem European Tax Analyzer beispielsweise die folgenden Berechnungen angestellt:
- Die Abbildung 1 zeigt die effektive Steuerbelastung einer repräsentativen Kapitalgesellschaft mit für ein mittelständisches Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland typischen Bilanz- und Erfolgsrelationen. Für einen Berechnungszeitraum von zehn Jahren beträgt die effektive Steuerbelastung auf Unternehmensebene in Deutschland 2,1 Mio. €. Deutlich geringer wird das Unternehmen in Großbritannien (-38,6%) und den Niederlanden (-18,8%) belastet. Bei Veranlagung nach französischem Steuerrecht ergibt sich für das Unternehmen dagegen eine erhebliche Mehrbelastung in Höhe von 569 T€ (+26,5%). Nur im Vergleich zu den USA (-1,5%) ist im Ausgangsfall der Belastungsunterschied gegenüber Deutschland relativ gering. Im Ergebnis landet Deutschland auf Unternehmensebene im Ländervergleich auf dem vorletzten Platz.
- Wird der Anteilseigner mit in die Betrachtung einbezogen, so ändert sich das Ranking aus deutscher Sicht nicht. Infolge der hohen effektiven Steuerbelastung nimmt Deutschland weiterhin den vorletzten Platz vor Frankreich ein. Gleichwohl ergeben sich einige Belastungsunterschiede. Während sich die Belastungsnachteile gegenüber Großbritannien (-23,1%) und den Niederlanden (-5,4%) teilweise deutlich verringern, reduziert sich der Belastungsvorteil gegenüber Frankreich (+17,1%). Außerdem erhöht sich auf der Gesamtebene der noch geringe Belastungsnachteil auf der Unternehmensebene gegenüber den USA (-6,3%) auf dann 185 T€. Zudem werden Rangfolgeverschiebungen zwischen den Ländern sichtbar. Liegen auf der Unternehmensebene die Niederlande noch auf Platz zwei des Rankings, verlieren sie auf der Gesamtebene diesen Rang an die USA.
Abbildung 1: Steuerstrukturen für eine repräsentative Kapitalgesellschaft des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA (Rechtsstand 2003)

- Die Steuerbelastungsdifferenzen für das Ausgangsunternehmen des Verarbeitenden Gewerbes sind jedoch stets das Ergebnis des konkreten Einzelfalls und dürfen deshalb nicht generalisiert werden. Vielmehr hängen die Belastungen davon ab, inwieweit die konkreten Unternehmen typischerweise in den Faktoren ausgeprägt sind, an welche die jeweiligen Steuersysteme, Steuerarten, Bemessungsgrundlagen und Steuertarife anknüpfen. Infolge der erheblichen Unterschiede in den Steuerstrukturen der einzelnen Länder werden die Belastungsdifferenzen im Branchenvergleich unterschiedlich ausfallen. Zur Gewinnung möglichst aussagekräftiger Ergebnisse im Hinblick auf die Belastungsdifferenzen der betrachteten Länder wurde deshalb neben dem Ausgangsunternehmen des Verarbeitenden Gewerbes ein breites Spektrum von weiteren typischen mittelständischen Unternehmen unterschiedlicher Branchen in den Vergleich einbezogen.
Abbildung 2: Prozentuale Steuermehr/-minderbelastungen der effektiven Steuerbelastungen unterschiedlicher Branchenunternehmen für den Ausgangsfall im internationalen Vergleich aus deutscher Sicht
- Im internationalen Vergleich ergeben sich gegenüber dem Ausgangsunternehmen bei den hier betrachteten weiteren Branchenunternehmen teilweise recht unterschiedliche Steuerbelastungsdifferenzen, welche vielfältige Ursachen haben (siehe Abbildung 2). In Deutschland ist der Anteil der ertragsabhängigen Steuern am höchsten. Daraus resultiert ein umso größerer relativer Vorteil im Vergleich zu Ländern mit einem geringen Niveau ertragsabhängiger Steuern, je geringer die Erfolgslage des Unternehmens ist. So stellt sich die Belastungssituation aus deutscher Sicht bei den Unternehmen der Sektoren Verkehr und Bau insbesondere im Vergleich zu Frankreich wesentlich günstiger dar. Ausschlaggebend hierfür sind die geringe Erfolgslage dieser Unternehmen und die erheblichen strukturellen Defizite des französischen Steuersystems. Dagegen schneidet der Dienstleistungssektor in Deutschland deutlich ungünstiger als das Ausgangsunternehmen ab. Verantwortlich dafür ist hohe Erfolgslage des Dienstleistungssektors. Im Ergebnis bestätigt die Branchenanalyse die Ergebnisse des Ausgangsfalls. Nach derzeitigem Recht ist die effektive Steuerbelastung auf Unternehmensebene in Frankreich höher als in Deutschland und fällt in Großbritannien und den Niederlanden deutlich geringer aus. Im Vergleich zu den USA sind die Steuerbelastungen teilweise ein wenig höher, teilweise ein wenig geringer.
ggu/tst 13.02.2004