In den vergangenen Jahren konnten sich die Verhandlungsparteien der UN Klimarahmenkonvention (UNFCCC) nicht auf ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll einigen. Die Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls endet im Jahr 2012. Ohne Nachfolgeabkommen gibt es weder eine Grundlage für bindende Emissionsreduktionen noch eine Grundlage für die Generierung von „offsets“, also handelbaren Emissionsrechten aus Treibhausgasminderungen in weniger entwickelten Ländern und aufstrebenden Ökonomien. In diesem Aufsatz wird die mögliche Nachfrage nach und das möglich Angebot von Offset-Zertifikaten für die Zeit nach dem Kyoto-Protokoll (2012 bis 2020) analysiert. Zur Analyse bedarf es einiger Annahmen. So wird davon ausgegangen, dass Industriestaaten die Emissi-onsminderungsziele, die nach der Klimakonferenz in Kopenhagen vorgeschlagen wurden („Copenhagen Pledges“) umsetzten. Dazu müssen heimische Systeme zur Treibhausgasregulierung eingesetzt werden. Dies können entweder mengenbasierte Regulierungssysteme sein, z.B. ein Emissionshandelssystem) oder preisbasierte Systeme wie eine Steuer. Voraussetzung ist jedoch, dass es einen internationalen Handel mit Emissionsrechten gibt, ähnlich wie er auch im Kyoto-Protokoll vorgesehen war. Zudem streben Industriestaaten eine Preiskontrolle in ihren Regulierungssystemen an, damit die heimischen Verbraucher und die heimische Industrie nicht übermäßig belastet werden. Gesetzesvorschläge aus den USA, Australien und Japan unterstützen diese These. Gegeben der oben genannten Annahmen, ergibt sich eine Nachfrage nach Offset-Zertifikaten aus der EU27, den USA, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland in Höhe von 627 bis 667 MtCO2e (durchschnittlich pro Jahr) abhängig von der genauen Umsetzung der „Copenhagen Pledges“. Um auch die Angebotsseite zu beleuchten, werden Grenzvermeidungskostenkurven für Entwicklungsländer und aufstrebende Ökonomien errechnet. Es zeigt sich, dass die erwartete Nachfrage zu Kosten von rund EUR 10 pro tCO2e erfüllt werden könnte, wobei Transaktionskosten unbeachtet bleiben. Der größte Teil der Emissionsminderungen könnte in China, Indien und dem restlichen Asien erbracht werden. Die geringste Menge käme aus Lateinamerika, wenn Offsets nicht in Waldprojekten generiert werden können. Sowohl Angebot und Nachfrage werden mit Hilfe des PACE-Models ermittelt. Es zeigt sich, dass gegenwärtige Offset-Mechanismen wie der Clean Development Mechanism (CDM) nicht geeignet sind, um Offsets in der oben genannten Größenordnung zu generieren. Daher wird vorgeschlagen vor allem in stärker industrialisierten Regionen wie China und Indien sektorale Ansätze zur Emissionsminderung anzustreben. Für andere Regionen mit einer weniger stark industriellen Prägung könnte das Instrument multi- oder bilateraler „credited National Appropriate Mitigation Actions (NAMAs)“, also individuelle Emissionsminderungen in verschiedenen größeren Projekten zusätzlich zum CDM, sinnvoll sein.

Heindl, Peter und Sebastian Voigt (2012), Supply and demand structure for international offset permits under the Copenhagen Pledges, International Environmental Agreements: Politics, Law and Economics 12, 343-360. Download

Schlagworte

Emissions trading, Offsets, CDM, Marginal abatement costs, Climate policy