Wie alle entwickelten Volkswirtschaften ist auch die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahren von einem umfassenden Strukturwandel gekennzeichnet. Dienstleistungsbranchen gewinnen gegenüber den industriellen Branchen ein immer größeres Gewicht. Gleichzeitig vollzieht sich sowohl innerhalb der Industrie als auch innerhalb des Dienstleistungssektors eine erhebliche Bedeutungsverschiebung hin zu technologieorientierten oder wissensbasierten Branchen. Für die Geschwindigkeit dieses Strukturwandels, für die rechtzeitige Orientierung der Wirtschaft auf neue, Erfolg versprechende technologische Entwicklungen und Bereiche wird dem Neugründungsgeschehen im Unternehmensbereich eine ganz wesentliche Rolle zugeschrieben, sind doch gerade die jungen, innovativen Unternehmen in den neuen Bereichen der Wirtschaft tätig. Die wachsende Bedeutung von Wissen und die daraus resultierende Notwendigkeit, neue, insbesondere auch wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst schnell in wirtschaftliche Aktivitäten umzusetzen, lenkt die Aufmerksamkeit von Wissenschaft und Politik verstärkt auf so genannte akademische Spinoff-Gründungen. Diese Unternehmensgründungen aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind ein Weg des Wissens und Technologietransfers, der sicherstellen kann, dass die dort erarbeiteten Erkenntnisse ohne große Umwege in marktfähige Produkte oder Verfahren münden. Von der Politik wird erwartet, dass sie günstige Rahmenbedingungen für Spinoff-Gründungen schafft. Die Stimulierung und Unterstützung derartiger Gründungen ist das erklärte Ziel etlicher Initiativen von Bund und Ländern, wie beispielsweise des EXIST-Programms des BMBF. Ein gezieltes Eingreifen der Politik erfordert zuverlässige Informationen über Umfang und Entwicklung der Spinoff-Gründungen, über wichtige Strukturmerkmale wie etwa Branchenzugehörigkeit, institutionelle und fachliche Herkunft oder Forschungsintensität, über ihre Verbindung zur Wissenschaft sowie über spezifische Probleme und Anreize, die solche Unternehmensgründungen beeinflussen. Die gegenwärtig vorliegenden Studien zu diesem Themenkomplex (ADT et al. 1998, Econ-Consult 2000, OECD 2001) lassen allerdings keine repräsentativen Aussagen zum tatsächlichen Spinoff-Gründungsgeschehen in Deutschland zu. Vor diesem Hintergrund hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Untersuchung durchgeführt mit dem Ziel, die Anzahl von Spinoff-Gründungen aus öffentlichen Forschungseinrichtungen in Deutschland in den Jahren 1996 bis 2000 festzustellen. Hierfür wurde eine neue Erhebungsmethode entwickelt, die eine zuverlässige Ermittlung der absoluten Zahl von Spinoff-Gründungen in Deutschland, ihrer Bedeutung im gesamten Gründungsgeschehen sowie wichtiger Strukturmerkmale von Spinoffs ermöglicht. Im Folgenden wird die Erhebungsmethode kurz dargestellt und werden die wichtigsten empirischen Ergebnisse der Studie zusammengefasst. Die Studie liefert erstmals für Deutschland Daten - zur Zahl der Spinoff-Gründungen aus der Wissenschaft, - zur quantitativen Bedeutung von Spinoffs im Vergleich zu Gründungen durch Akademiker allgemein und Gründungen durch Nicht-Akademiker,- zum Spinoff-Gründungsgeschehen in den EXIST-Regionen, - zur Branchenzusammensetzung und fachlichen Herkunft der Spinoffs, - zur Verteilung der Spinoffs nach verschiedenen Institutionen der öffentlichen Forschung sowie zur Gründungsneigung von Wissenschaftlern, - zur Forschungsorientierung von Spinoffs, zu laufenden Kontakten zu wissenschaftlichen Einrichtungen und zur Nutzung von Patenten aus der Wissenschaft, - zu Motiven und Hemmnissen für die Gründung und dem Erhalt von Unterstützung durch wissenschaftliche Einrichtungen, - zur Standortwahl der Spinoffs (Nähe zum Inkubator, Standortregion), - zu Beschäftigungswirkung und -wachstum von Spinoffs und ihren Erfolgsfaktoren.