Positive externe Effekte technologischer Entwicklungen sind ein viel diskutiertes Thema in der ökonomischen Literatur. In Studien zur Unternehmensproduktivität werden sogenannte "Spillovers" in Regressionsanalysen typischerweise durch die Summe der Forschungs- und Entwicklungsausgaben von Firmen der gleichen Branche modelliert. Teilweise werden auch Wissensspillovers zwischen Branchen durch die FuE-Ausgaben der Firmen aller anderen Sektoren exklusive der Branche des korrespondierenden Unternehmens berücksichtigt. Diese Maße haben jedoch mehrere Nachteile, wie z.B. die implizite Begrenzung der geografischen Region aus der die Daten zur Generierung der "Spillover-Pools" stammen. Ferner wird unterstellt, dass alle Unternehmen in gleichem Maße von diesen Spillovers profitieren, da nur ein einzelner Koeffizient für den Spillover-Pool geschätzt wird. Weiterhin wird, wenn überhaupt, nur rudimentär berücksichtigt, dass die Wissensströme häufig von verschiedenen Quellen stammen und diese auch unterschiedliche Effekte haben können. Relevantes Wissen kann von Wettbewerbern aber auch von Kunden, Lieferanten sowie wissenschaftlichen Einrichtungen kommen.

In dieser Studie nutzen wir alternative Spillover-Maße, die o.g. Nachteile der konventionellen Modellierung nicht aufweisen. Ferner untersuchen wir den Einfluss von Wissensspillovers auf zwei unternehmerische Erfolgsvariablen; Umsätze mit Markneuheiten (Innovation) sowie Umsätze mit Produkten, die für ein Unternehmen, nicht aber für den Markt, neu sind (Imitation). Wir argumentieren, dass je nach Quelle der Wissensspillovers heterogene Effekte für Innovation und Imitation vorliegen. Obwohl allgemein bekannt ist, dass Spillovers nicht nur zu originären Innovation, sondern auch zu Imitation führen, wird letzterer Effekt in der Literatur selten untersucht.

Für die empirische Analyse nutzen wir Daten einer großen Unternehmensstichprobe. Die Ergebnisse zeigen, dass, anders als in der gängigen Literatur unterstellt, heterogene Effekte von Spillovers vorliegen: Wissen, das von Wettbewerbern erhalten wurde, trägt lediglich zu Imitation bei, während essenzielle Informationen von Kunden und wissenschaftlichen Einrichtungen die Entwicklung von Innovationen deutlich fördern.

Cappelli, Riccardo, Dirk Czarnitzki und Kornelius Kraft (2013), Sources of Spillovers for Imitation and Innovation, ZEW Discussion Paper No. 13-064, Mannheim. Download

Autoren

Cappelli, Riccardo
Czarnitzki, Dirk
Kraft, Kornelius

Schlagworte

innovation, imitation, spillovers