Das Vorhandensein von qualifizierten Arbeitskräften wird oft als ausschlaggebender Faktor für Unternehmensgründungen in einer Region bezeichnet. Es ist jedoch wenig darüber bekannt, ob die Zusammensetzung der regionalen Wissensbasis Auswirkungen auf neue Unternehmensgründungen hat. In der Regionalökonomik haben besonders die Spezialisierungstheorie nach Marshall und die Diversifikationstheorie nach Jacobs für Aufmerksamkeit gesorgt. Während die erste Theorie nahe legt, dass Wirtschaftswachstum vor allem von der Bündelung von Wirtschaftszweigen in Clustern gefördert wird, da dadurch der Wissenstransfer zwischen ähnlichen Unternehmen ermöglicht wird, argumentiert die zweite Theorie, dass Diversifikation bessere Möglichkeiten zum gegenseitigen Wissensaustausch bietet und Komplementaritätseffekte erzielt werden können. Wir beziehen diese Argumente auf den Kontext regionaler unternehmerischer Aktivitäten und vertreten die Auffassung, dass die Zusammensetzung des Fachwissens in einer Region zusammen mit der generellen Verfügbarkeit von Humankapital den Firmeneintritt in verschiedene Gruppen von wissensbasierten Branchen beeinflusst. Des Weiteren legen wir dar, dass institutionelle Infrastrukturen für Unternehmensgründungen eine Schlüsselrolle spielen, da sie vermutlich die Beziehung zwischen unternehmerischen Aktivitäten und der Struktur der Wissensbasis beeinflussen. Wir beschreiben diese Infrastrukturen als das Ergebnis der gesetzlichen, institutionellen und sozialen Faktoren in einer Region, die förderlich für Unternehmensgründungen sind. Da sich diese auf nationaler Ebene besonders stark unterscheiden sollten, präsentieren wir eine Vergleichsstudie dieser Beziehung für Deutschland und Portugal. Obwohl beide Länder Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sind, unterscheiden sie sich deutlich hinsichtlich einer Reihe gesamtwirtschaftlicher Kennzahlen. Daher werden vermutlich auch die institutionellen Infrastrukturen für Unternehmensgründungen in diesen beiden Ländern stark variieren. Mithilfe von harmonisierten Datensätzen für beide Länder können somit Erkenntnisse über die institutionellen Infrastrukturen in beiden Ländern gewonnen werden, die vermutlich die Beziehung zwischen der regionalen Zusammensetzung der Wissensbasis und unternehmerischen Aktivitäten beeinflussen. Unsere Ergebnisse beziehen sich auf regionale Daten auf der NUTS III Ebene für beide Länder von 2000 bis 2004. Sie zeigen, dass neben der Verfügbarkeit von Humankapital in einer Region auch die Zusammensetzung des Fachwissens ausschlaggebend ist. Es stellt sich heraus, dass sich in Portugal eine hohe Konzentration von Fähigkeiten besonders positiv auf Unternehmensgründungen auswirkt, während in Deutschland das Gegenteil der Fall ist, da dort eine höhere Diversifikation von Vorteil ist. Wir stellen somit fest, dass sowohl Konzentration als auch Diversifikation in Abhängigkeit von den institutionellen Infrastrukturen wichtig sein kann. Regionale Entwicklungspolitik, die auf die Förderung von Unternehmensgründungen abzielt, sollte daher berücksichtigen, dass sich sowohl die Konzentration als auch die Diversifikation der regionalen Wissensbasis positiv auf unternehmerische Aktivitäten auswirken kann, anstatt sich zu stark auf die Bildung bestimmter Branchencluster zu konzentrieren.

Mendonça, Joana und Christoph Grimpe (2009), Skill Composition and Regional Entrepreneurship: A Comparative Study Between Germany and Portugal, ZEW Discussion Paper No. 09-060, Mannheim, erschienen in: Journal of Technology Transfer. Download

Autoren

Mendonça, Joana
Grimpe, Christoph

Schlagworte

Entrepreneurship, skill composition, regional analysis, comparative study