Die vorliegende Studie untersucht die Bedeutung von betriebsspezifischen Charakteristika für die Lohnmobilität von Geringverdiener/innen. Besonderes Augenmerk gilt hierbei der Wirkung der Betriebsgröße sowie der industriellen Beziehungen auf die Aufstiegschancen. Von der Betriebsgröße sind zwei gegenläufige Effekte auf die Aufstiegswahrscheinlichkeit zu erwarten, so dass der Nettoeffekt a-priori uneindeutig ist. Zum einen weisen größere Arbeitgeber häufiger interne Arbeitsmärkte auf, was die Aufstiegschancen positiv beeinflussen sollte. Zum anderen treten in größeren Betrieben eher Informationsprobleme im Hinblick auf die wahre Produktivität der Beschäftigten auf, was im Gegenzug zu niedrigerer Lohnmobilität führen kann. Industrielle Beziehungen, insbesondere in Form von Betriebsräten, können diese Informationsprobleme aufgrund von Mitspracherechten bei der Beförderungen erheblich abmildern. Insgesamt deuten die Ergebnisse auf Basis von deutschen Linked Employer-Employee Daten darauf hin, dass die obigen Merkmale die Aufstiegswahrscheinlichkeiten von Geringverdiener/innen signifikant beeinflussen. Hierbei ergeben sich jedoch unterschiedliche Muster in Abhängigkeit vom Geschlecht. So haben Männer in größeren Betrieben signifikant höhere Aufstiegschancen, profitieren jedoch nicht von Betriebsräten und Tarifverträgen. Im Gegensatz hierzu profitieren Frauen insbesondere von der Existenz eines Betriebrates, jedoch nicht von der Betriebsgröße. Die Ergebnisse liefern somit Evidenz dafür, dass interne Arbeitsmärkte eine wichtige Determinante der Aufstiegschancen männlicher Geringverdiener sind. Für Frauen hingegen lassen sich hinsichtlich der Bedeutung interner Arbeitsmärkte keine eindeutigen Aussagen treffen. Hier lassen die Ergebnisse lediglich die Schlussfolgerung zu, dass der gegenläufige Effekt der Betriebsgröße infolge der Existenz asymmetrischer Information möglichen positiven Effekten stärker entgegenwirkt als bei männlichen Geringverdienern. In Kombination mit den unterschiedlichen Effekten der industriellen Beziehungen lässt dies darauf schließen, dass asymmetrische Informationen hinsichtlich der wahren Produktivität für Frauen ein relevanteres Aufstiegshemmnis darstellen als für Männer.

Schlagworte

Wage Mobility, Trivariate Probit, Linked Employer-Employee Data