In der Innovationsliteratur wird seit längerem darauf hingewiesen, dass der Innovationserfolg eines Unternehmens nicht allein von internen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (FuE) abhängt, sondern auch durch die geschickte Verknüpfung von internen und externen Wissensquellen entsteht. Tatsächlich haben viele Firmen ihre Innovationsprozesse geöffnet und suchen gezielt nach externem Wissen von Kunden, Zulieferern, Wettbewerbern oder Universitäten. Die Suchstrategie als Mechanismus, mit dem Firmen lernen und ihre Wissensbasis erweitern, wird dabei als wesentliche Determinante des Innovationserfolgs genannt. Obwohl dieser firmenbezogene Ansatz viele Aufschlüsse darüber gibt, wie Firmen Wissensquellen zur Innovation nutzen, besteht darin auch das Risiko, wesentliche Charakteristiken aus dem Firmenumfeld zu vernachlässigen. Im Gegensatz dazu weist der institutionelle Ansatz, der sich mit nationalen Innovationssystemen befasst, darauf hin, dass sich jedes Land durch einzigartige Charakteristiken in Bezug auf Organisationen und institutionelle Infrastrukturen, die die Innovationsfähigkeit maßgeblich beeinflussen, auszeichnet. Solche Infrastrukturen könnten beispielsweise Universitäten oder Forschungsinstitute, die technologisches Wissen generieren und verbreiten, oder im weiteren Sinne auch industrielle Beziehungen, das rechtliche Umfeld oder Gebräuche und Kultur einer Gesellschaft sein. Der institutionelle Ansatz unterstreicht somit die Umstände, die den Innovationserfolg eines Unternehmens beeinflussen, übersieht aber die unterschiedlichen Wissensstände und Ressourcenausstattungen von Unternehmen. Während die eigene Wissensbasis eines innovativen Unternehmens zweifelsfrei von Bedeutung ist, zeigen aktuelle Beiträge, dass Unternehmensstrategien auch vom besonderen institutionellen Umfeld abhängen. Institutionelle Unterschiede sind wohl kaum deutlicher als zwischen Marktwirtschaften und ehemaligen Planwirtschaften, die seit dem Fall des "eisernen Vorhangs" 1989 und dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 im Umbruch sind. In diesem Beitrag wird das Zusammenspiel von Organisationen und Institutionen betrachtet mit dem Ziel, neue Erkenntnisse über die Bedeutung des institutionellen Umfelds von entwickelten westeuropäischen Marktwirtschaften und Volkswirtschaften in Schwellenländern in Zentral- und Osteuropa (CEE) für die Suchstrategien und das Innovationsverhalten von Unternehmen zu gewinnen. Der empirische Teil dieser Studie basiert auf der dritten "Community Innovation Survey" (CIS-3), in der Innovationsprozesse von Unternehmen in zehn europäischen Ländern mithilfe der Latent Class Methode untersucht werden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die Suchstrategien in entwickelten Marktwirtschaften und Schwellenländern erheblich voneinander unterscheiden. Außerdem zeichnet sich die Suche in Schwellenländern durch eine viel größere Vielfalt aus. Allerdings stellen Managementkapazitäten in diesen Ländern eine äußerst knappe Ressource dar, weshalb fokussierte Suchstrategien den größten Erfolg erzielen. Unser Beitrag schließt mit Empfehlungen für das Management von Unternehmen und die Politik.

Sofka, Wolfgang und Christoph Grimpe (2009), Searching for Innovation in Market and Transition Economies: Evidence Across Europe, ZEW Discussion Paper No. 09-061, Mannheim, erschienen in: Academy of Management. Download

Schlagworte

Search strategies, open innovation, transition economies, institutional infrastructure for innovation