Mit einem Budget von rund 17 Mrd. Euro bildete das sechste Forschungsrahmenprogramm (FP6) der Europäischen Kommission die Grundlage für die Förderung von FuE-Projekten in den Jahren 2002 bis 2006. In letzter Zeit wurden mehrere Studien vorgelegt, die sich mit der Wirkung des FP6 befassen. Im Mittelpunkt vieler Studien stand dabei die Analyse der Teilnahmestrukturen, d.h. wer die Teilnehmer waren und was sie erreichten. So wurde festgestellt, dass herausragende Wissenschaftler, gemessen an Publikationen und Zitationen, am FP6 teilnahmen. Ein anderes Ergebnis war, dass die Teilnahme am FP6 von vielen als "Qualitätssiegel" betrachtet wird. Dieser Beitrag beschränkt sich auf Wissenschaftler an Universitäten und anderen öffentlichen Forschungseinrichtungen und deren Wahl für ein bestimmtes Förderprogramm. Neben dem FP auf europäischer Ebene stellen Fördermittel von Bundes- und Länderregierungen, Stiftungen und nicht zuletzt von der Industrie wichtige Quellen dar. Obwohl alle Förderer normalerweise wettbewerbs- und leistungsbasierte Auswahlkriterien anwenden, unterscheiden sie sich oft im Hinblick auf Prioritäten und Erfolgskriterien für die Gewährung von Zuschüssen. Man kann somit annehmen, dass sich Wissenschaftler die Forschungsförderung aussuchen, von der sie sich den höchsten "Ertrag" erwarten. Gegenstand dieser Arbeit ist daher die vergleichende Untersuchung der Entscheidungen von Wissenschaftlern für externe Forschungsförderung. Im Besonderen wird betrachtet, ob es dem FP6 in Anbetracht der Vielfalt an Fördermöglichkeiten, die der öffentlichen Forschung zur Verfügung stehen, gelungen ist, das wissenschaftliche "A-Team" anzusprechen und ob die Teilnahme an FP6 andere Fördertypen ergänzt oder ausschließt. Auf Grundlage einer Stichprobe von deutschen Wissenschaftlern an Universitäten und anderen öffentlichen Forschungseinrichtungen untersucht diese Arbeit die Rolle von Exzellenz und Produktivität von Wissenschaftlern, gemessen an Veröffentlichungen und Patenten, bei der Entscheidung für ein bestimmtes Förderprogramm. Die Ergebnisse zeigen, dass hochproduktive Wissenschaftler Regierungs-, Stiftungs- und Industrieförderung dem FP6 vorziehen. In dieser Hinsicht scheint eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen dem FP, das eher auf anwendungs- bzw. beratungsorientierte Forschung von mittelmäßigen Wissenschaftlern fokussiert, und anderen Förderprogrammen, deren Ziel die wissenschaftliche Exzellenz ist, zu bestehen. Soll allerdings das FP kompatibler zu bestehenden Förderalternativen werden, so sind deutliche Veränderungen notwendig. Hierzu zählen beispielsweise kleinere Projektgrößen, eine thematisch offene Ausschreibung, geringerer Antragsund Verwaltungsaufwand und einer Verbesserung des Begutachtungssystems.

Grimpe, Christoph (2010), Scientific Excellence and Extramural Research Grants: Beggars Can't Be Choosers?, ZEW Discussion Paper No. 10-031, Mannheim, erschienen in: Research Policy. Download

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Research funding, scientist productivity, Sixth Framework Programme