Die Höhe der Zahlungsbereitschaft für das öffentliche Gut Klimaschutz ist Gegenstand einer Vielzahl von Untersuchungen. Die ermittelten Zahlungsbereitschaften unterscheiden sich dabei zum Teil erheblich, was unter anderem auf Unterschiede im Design der Studien zurückzuführen sein dürfte. Die überwiegende Mehrheit der Studien zur Ermittlung der Zahlungsbereitschaft für Klimaschutz nutzt Befragungen, bei denen die Teilnehmer ihre Zahlungsbereitschaft in einer hypothetischen Entscheidungssituation angeben und keine realen Transaktionen getätigt werden. Nur wenige Studien nutzen die Möglichkeit, die Zahlungsbereitschaft aus einer realen ökonomischen Transaktion abzuleiten. Die ermittelten hypothetischen Zahlungsbereitschaften für Klimaschutz sind zumeist deutlich höher als die realen Zahlungsbereitschaften.

In Studien, die eine reale Zahlungsbereitschaft für Klimaschutz erheben, haben die Teilnehmer jedoch die Möglichkeit freizufahren, d.h. keinen Beitrag zum öffentlichen Gut zu leisten, während andere Teilnehmer in der Gruppe beitragen. Es ist zu vermuten, dass die Zahlungsbereitschaft für Klimaschutz höher ausfällt, wenn es keine Freifahreroption in der Gruppe der Teilnehmer gibt und alle Teilnehmer den gleichen Beitrag leisten müssen. In dieser Studie betrachten wir die reale Zahlungsbereitschaft nach Klimaschutz, wobei die individuelle Perspektive bisheriger Studien zur realen Zahlungsbereitschaft gelockert wird. Wir untersuchen, ob die Zahlungsbereitschaft von (i) Informationen über das reale Verhalten von Akteuren in einer ähnlichen Entscheidungssituation und (ii) der Einführung einer kollektiven Aktion abhängt. Die Information zu vergangenem Verhalten ermöglicht eine bessere Einschätzung des Beitragsverhaltens anderer Teilnehmer. Durch die kollektive Aktion ist jeder Teilnehmer in der Gruppe verpflichtet, den gleichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Teilnehmer an unserer Studie erhielten eine Aufwandsentschädigung von 40€ und konnten durch den Kauf von Zertifikaten des EU-Emissionshandels einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Jeder Teilnehmer konnte dabei für zwei unterschiedliche Preise seine Nachfrage nach Zertifikaten (in 100 kg CO2) angeben. Ein Preis wurde ausgelost und diese Menge wurde zum ausgelosten Preis gekauft. Gekaufte Zertifikate wurden gelöscht, d.h., jeder Beitrag führte zu einer realen Reduzierung der CO2-Emissionen in Europa. Eine Gruppe der Teilnehmer erhielt Informationen über das reale Kaufverhalten von Akteuren in einer ähnlichen Entscheidungssituation. In einer anderen Gruppe mussten alle Teilnehmer die Medianmenge der Gruppe, d.h. die Menge, welche die Hälfte aller Teilnehmer zu einem bestimmten Preis nachgefragt hat, kaufen.

Ergebnis unserer Studie ist, dass mit einer kollektiven Aktion die Wahrscheinlichkeit Zertifikate zu kaufen höher ist als ohne kollektive Aktion. Informationen über das reale Verhalten von Akteuren in einer ähnlichen Entscheidungssituation haben keinen Effekt auf das Beitragsverhalten. Der Durchschnitt der Zahlungsbereitschaft beträgt insgesamt 11€/tCO2, der Median der Zahlungsbereitschaft liegt bei 5€/tCO2. Darüber hinaus ist eine starke positive Korrelation zwischen der individuellen Nachfrage nach Zertifikaten und der Erwartung über die nachgefragte Menge der anderen Teilnehmer zu beobachten. Ohne kollektive Aktion sind die Erwartungen der Teilnehmer konsistent mit Freifahrerverhalten, d.h., die Teilnehmer kaufen weniger Zertifikate als sie es im Durchschnitt von den anderen Teilnehmern erwarten.