Kollaboration im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE) ermöglicht es Unternehmen, ihre Ressourcen zu kombinieren, von Komplementaritäten zu profitieren und Externalitäten zu internalisieren. Das führt dazu, dass FuEKollaborationen die Innovationsaktivität der Privatwirtschaft fördern. Unternehmen können FuE-Kollaborationen jedoch skeptisch gegenüberstehen, wenn sie einen unbeabsichtigten Abfluss von Know-How an Kollaborationspartner befürchten. Der Abfluss von wichtigem Wissen an potenzielle Wettbewerber kann die Marktstellung eines Unternehmens gefährden. Einen Mechanismus, der verhindert, dass Kollaborationspartner unternehmensspezifisches Wissen nutzen können, stellt die Nutzung geistiger Eigentumsrechte wie beispielsweise Patente dar. In dieser Studie untersuchen wir den Einfluss von unsicheren geistigen Eigentumsrechten auf das Kollaborationsverhalten von Unternehmen. Unsere Untersuchung ist durch kürzlich Entwicklungen am Europäischen Patentsystem (EPA) motiviert. Der Patentprüfungsprozess am EPA dauert im Vergleich zum amerikanischen Patentamt relativ lange. Insbesondere in den 1990er Jahren hat sich die Dauer des Patentprüfungsprozesses am EPA nach einem signifikanten Anstieg der Patentanmeldungen verlängert, was dazu führt, dass Patentanmelder sich einer größeren Unsicherheit bezüglich ihrer geistigen Eigentumsrechte gegenübersehen. In dieser Studie argumentieren wir, dass die Dauer des Patentprüfungsprozesses Unsicherheiten für Patentanmelder generiert, welche die Kollaborationsbereitschaft von Akteuren der Privatwirtschaft negativ beeinflusst. Wir stellen die Hypothese auf, dass dabei der Typ des Kollaborationspartners eine Rolle spielt. Anhand einer empirischen Analyse basierend auf einer Stichprobe von ca. 3000 innovativen Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe zeigen wir, dass Unsicherheit über geistige Eigentumsrechte insbesondere dazu führt, dass Unternehmen FuE-Kollaboration mit Wettbewerbern meiden. FuE-Kollaboration mit Universitäten, Zulieferern und Kunden werden hingegen nicht von solchen Untersicherheiten beeinflusst. Unsere Ergebnisse haben wichtige Implikationen für die Technologiepolitik. Da es hinlänglich akzeptiert ist, dass FuE-Kollaborationen die Innovationstätigkeit in der Privatwirtschaft stärken, erfahren FuE-Kollaborationen eine Sonderbehandlung vor dem Kartellgesetz und werden durch verschiedene weitere Politikmaßnahmen stimuliert. Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein funktionierendes Patentsystem notwendig ist, damit solche Initiativen greifen: die Patentprüfung sollte nicht nur von hoher Qualität sein, sondern auch zeitnah erfolgen.

Czarnitzki, Dirk, Katrin Hussinger und Cédric Schneider (2011), R&D Collaboration with Uncertain Intellectual Property Rights, ZEW Discussion Paper No. 11-010, Mannheim, erschienen in: Review of Industrial Organization. Download

Autoren

Czarnitzki, Dirk
Hussinger, Katrin
Schneider, Cédric

Schlagworte

R&D collaboration, intellectual property, uncertainty, patents