Die Institutionen des Arbeitsmarktes, die Sozial- und Steuersysteme stehen angesichts des demographischen Wandels und der Globalisierung unter einem beständigen Reformdruck. Die Politik tut sich schwer damit, Akzeptanz für Reformen zu finden. Ein interdisziplinäres Team aus Ökonomen und Psychologen befasst sich in dieser Studie mit den möglichen Ursachen des Reformstaus. Dabei kommen auch Erklärungsansätze der Behavioral Economics zur Anwendung, bei denen die Annahme der strengen Rationalität aufgegeben wird. In einer Vielzahl von Experimenten, Länderfallstudien und ökonometrischen Untersuchungen wird nachgewiesen, dass aus der Verhaltensökonomie bekannte Phänomene von Relevanz zur Erklärung von Reformwiderständen sind. Darüber hinaus deuten die empirischen Einsichten aber auch auf Ansatzpunkte für Bemühungen zur Verbesserung der Reformakzeptanz. So wirken die Wahrnehmung der Unvermeidbarkeit einer Reform und eine höhere Transparenz der mit dem Status quo verbundenen Kosten akzeptanzfördernd. Außerdem können Reformexperimente bei der Überwindung des Reformstaus helfen, weil diese Reformgewinnern ein Gesicht geben und das Potenzial von Reformen auch aus individueller Perspektive sichtbar machen.

Heinemann, Friedrich, Michael Förg, Dieter Frey, Eva Jonas, Waldemar Rotfuß, Eva Traut-Mattausch und Peter Westerheide (2008), Psychologie, Wachstum und Reformfähigkeit, Bd. 88, Nomos-Verlag, Baden-Baden.

Autoren

Heinemann, Friedrich
Förg, Michael
Frey, Dieter
Jonas, Eva
Rotfuß, Waldemar
Traut-Mattausch, Eva
Westerheide, Peter

Schlagworte

Reformstau, Steuerpolitik, Arbeitsmarktpolitik