In den letzten Jahrzehnten haben Dienstleistungen zunehmend an Bedeutung als Vorleistungen im Produktionsprozess von Unternehmen gewonnen. Dies ist nicht nur im Dienstleistungssektor, sondern auch im verarbeitenden Gewerbe zu beobachten. Zusätzlich greifen Unternehmen heutzutage verstärkt auf externe Dienstleistungsanbieter (welche entweder lokal oder im Ausland ansässig sind) zurück, welche den Firmen die benötigten Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Diese Arbeit konzentriert sich auf Geschäftsprozessauslagerungen (BPO), d.h. das Auslagern von Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten von bestimmten betrieblichen Dienstleistungsfunktionen (oder -prozessen) auf einen Dritten Dienstleistungsanbieter. Im Speziellen wird der Einfluss der Geschäftsprozessauslagerung auf die auslagernden Unternehmen analysiert. Die Gründe, warum Unternehmen auf externe Dienstleistungsanbieter zurückgreifen, sind vielfältig. Ein Hauptziel, welches durch die Auslagerung oft erreicht werden soll, ist die Fokussierung auf die Kernkompetenzen des Unternehmens. Firmen lagern deshalb alle oder zumindest Teile von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Tätigkeiten aus. Dadurch werden zusätzliche Management Kapazitäten freigesetzt, welche nun für die Weiterentwicklung des Kerngeschäfts zur Verfügung stehen. Des Weiteren beschäftigen externe Dienstleistungsanbieter spezialisierte und hochqualifizierte Experten. Durch die Auslagerung wird dieses Wissen auch den auslagernden Firmen zugänglich gemacht, welches dann zu höherwertigen Dienstleistungsprozessen und gesteigerter Effizienz der Prozesse führen kann. Zudem sind externe Anbieter aufgrund von Skaleneffekten in der Lage ihre Leistungen zu geringeren Preisen im Vergleich zur internen Dienstleistungserstellung anzubieten. Ausgehend von diesen Überlegungen wird in dieser Arbeit analysiert, ob die Auslagerung von Geschäftsprozessen die Produktivität der auslagernden Firmen positiv beeinflusst. Der angewandte Analyserahmen basiert auf einer Cobb-Douglas Produktionsfunktion. Für die empirische Analyse wurde eine umfangreiche Panelbefragung des ZEW aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor in Deutschland aus den Jahren 2000 bis 2007 verwendet. Um für unbeobachtet Heterogenität, Messfehler in den Variablen und Simultanität zwischen Input und Output zu kontrollieren, wurden verschiedenen Schätzverfahren angewandt: eine gepoolte OLS Schätzung, ein Fixed-Effects Vector Decomposition Ansatz, ein Olley und Pakes Ansatz und eine System-GMM Schätzung. Die Ergebnisse (über alle Schätzmethoden hinweg) zeigen einen klaren positiven und signifikanten Einfluss von BPO auf die Unternehmensproduktivität. Gemäße dem Ergebnis der bevorzugten System-GMM Schätzung erhöht die Auslagerung von Geschäftsprozessen die Produktivität um etwa 9 Prozent.

Autoren

Ohnemus, Jörg

Schlagworte

Business Process Outsourcing (BPO), Productivity, Panel Data, Olley-Pakes, System-GMM