Wie beeinflussen soziale Interaktionen die Entscheidungen von Wissenschaftlern, mit der Industrie zusammen zu arbeiten? Welche Rolle spielt dabei das Alter des Wissenschaftlers für den Entscheidungsprozess? In Zeiten intensiver Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft widmet sich eine wachsende Anzahl von Studien der Frage, welche Rolle die Kollegen am Arbeitsplatz eines Wissenschaftlers für den Wissens- und Technologietransfer spielen. Die vorliegende Studie will zu diesem Thema einen Beitrag leisten und geht der Frage nach, ob der Einfluss sozialer Interaktion vom Alter des Wissenschaftlers abhängig ist. So wird zwischen "lokalisierten" und "persönlichen" Effekten sozialer Interaktion unterschieden. Während erstere den Einfluss der Institution, an der der Wissenschaftler tätig ist, widerspiegeln, fokussieren letztere auf den Einfluss von Ko-Autoren des Wissenschaftlers. Unsere theoretischen Überlegungen vermuten dabei einen positiven Effekt beider Arten sozialer Interaktion auf die Neigung des Wissenschaftlers, mit der Wirtschaft zusammen zu arbeiten. Allerdings gehen wir davon aus, dass beide Effekte umso deutlicher zu Tage treten, je jünger der betreffende Wissenschaftler ist. Unsere empirische Analyse beruht auf einer Stichprobe von 330 Wissenschaftlern in der Biotechnologie, die im Jahr 2010 befragt wurden. Die Ergebnisse legen nahe, dass soziale Interaktion in der Tat wesentlich für Industriekollaboration verantwortlich ist. Tatsächlich spielt auch das Alter eine wesentliche Rolle: Jüngere Wissenschaftler lassen sich sehr viel mehr von Kollegen beeinflussen als ältere Wissenschaftler. Es stellt sich außerdem heraus, dass für jüngere Wissenschaftler der Effekt der Institution grösser ist als der der Ko-Autoren. Unsere Ergebnisse erlauben eine Reihe von Schlussfolgerungen für die Innovationspolitik, um die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiter zu stimulieren.

Schlagworte

university-industry linkages, professional imprinting, peers, biotechnology