In der Vergangenheit sind Patente als Anreizmechanismus für Forschung und Entwicklung in die Kritik geraten. Die theoretische Literatur hat gezeigt, dass bei auf früheren Innovationen aufbauender sequentieller Forschung stärkere Patentrechte die nachfolgenden Innovationen behindern können. Es entstand eine Debatte darüber, in welchem Ausmaß "Patentdickichte" Innovationen erschweren. Unter Patentdickichten versteht man "ein undurchlässiges Netz von sich überschneidenden Rechten zum Schutz von geistigem Eigentum, durch das sich ein Unternehmen den Weg bahnen muss, um neue Technologien auf den Markt bringen zu können." Obwohl Fortschritte in der empirischen Beschreibung von Patentdickichten gemacht wurden, gibt es wenig Evidenz dafür, ob der Markt für Technologien den Einfluss von Dickichten abschwächen kann und in welchem Ausmaß Dickichte die Innovationsleistung von Unternehmen behindern. In dieser Arbeit gehen wir diesen Fragen anhand von Daten über Lizenzaktivitäten und Innovationen von deutschen Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe nach. Das verwendete Fragmentierungsmaß baut auf Patentportfolios von Unternehmen auf, die in den gleichen Technologien tätig sind, wie die beobachteten deutschen Unternehmen. Wir finden einen positiven Zusammenhang zwischen dem Ausmaß von Patentdickichten und der Wahrscheinlichkeit Patente einzulizenzieren. Märkte für Technologien sind also ein möglicher Mechanismus, um mit der Defragmentierung von Patentrechten umzugehen. Anschließend analysieren wir die Beziehung zwischen Fragmentierung und Innovationserfolg separat für Unternehmen die einen Zugang zu patentierten Technologien benötigen (lizenzierende Unternehmen) und für Unternehmen, welche keinen Zugang benötigen (nicht lizenzierende Unternehmen). Für lizenzierende Unternehmen finden wir einen negativen Zusammenhang zwischen der Fragmentierung von Patentrechten und dem Innovationserfolg gemessen als Umsatzanteil mit neuen Produkten. Dies ist konsistent mit der Hypothese, dass Fragmentierung für Unternehmen die Lizenzen benötigen die Kommerzialisierung von neuen Produkten erschwert. Negative Auswirkungen auf Produktinnovationen sind bei lizenzierenden Unternehmen mit einer geringen Anzahl Patente besonders stark. Daraus ergibt sich eine strategische Bedeutung des Aufbaus eines großen Patentportfolios im Zusammenhang mit fragmentierten Eigentumsrechten.

Cockburn, Iain M., Megan J. MacGarvie und Elisabeth Müller (2008), Patent Thickets, Licensing and Innovative Performance, ZEW Discussion Paper No. 08-101, Mannheim, erschienen in: Industrial and Corporate Change. Download

Autoren

Cockburn, Iain M.
MacGarvie, Megan J.
Müller, Elisabeth

Schlagworte

patent thickets, licensing, innovative performance