Die Herstellung von Endprodukten und einiger Dienstleistungen findet heutzutage oft nicht mehr nur an einem Standort statt, sondern ist in globalen Wertschöpfungsketten organisiert. Diese Entwicklung zeigt sich darin, dass immer mehr Unternehmen Vorleistungen, entweder Zwischenprodukte oder Dienstleistungen, von Zulieferern aus dem Ausland beziehen. Der Auslagerungsprozess von Teilen der Produktions- und Wertschöpfungsaktivitäten ins Ausland wird als "Offshoring" bezeichnet. Ein zentraler Treiber für Offshoring sind moderne Informationsund Kommunikationstechnologien (IKT). IKT haben das Potenzial die mit dem Import von Vorleistungen verbundenen Kosten, wie z.B. Kommunikationskosten mit Zulieferern oder Logistikkosten, zu reduzieren. Insbesondere einige Dienstleistungen, die einst als nicht handelbar galten, sind über das Internet international handelbar geworden. Zudem vereinfachen IKT die Aufspaltung von Wertschöpfungsketten. Bisherige empirische Analysen kommen mehrheitlich zu dem Ergebnis, dass IKT-intensivere Unternehmen eher Vorleistungen importieren als Unternehmen, die IKT weniger nutzen.

In dem vorliegenden Papier untersuche ich den Zusammenhang zwischen dem Import von Vorleistungen und der Nutzung von IKT auf Firmenebene. Dazu werden Unternehmensdaten mit detaillierten Informationen zu IKT verwendet und bei der Analyse zwischen dem verarbeitenden Gewerbe und Dienstleistungssektoren in Deutschland unterschieden. Die betrachteten IKT-Anwendungen beinhalten komplexe Unternehmenssoftware, die Nutzung des Internets zur Bestellung bei Zulieferern, Investitionen in Hardware, Software und Telekommunikation sowie den Anteil der Beschäftigten, die überwiegend am Computer arbeiten, als ein Maß für die IKT-Intensität eines Unternehmens.

Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen, die Software zum Management von Lieferanten- Beziehungen nutzen, eher Vorleistungen importieren als Unternehmen, die eine solche Software nicht nutzen. Im verarbeitenden Gewerbe besteht zudem ein positver Zusammenhang zwischen Offshoring und dem Anteil der Beschäftigten, die überwiegend am Computer arbeiten. Dienstleistungsunternehmen importieren Vorleistungen eher, wenn sie Software zur Ressourcenplanung des Unternehmens nutzen sowie Produkte oder Dienstleistungen bei Zulieferern über das Internet bestellen. Außerdem erweisen sich die Offshoring betreibenden Unternehmen aus beiden Sektoren als produktiver und innovativer als Unternehmen, die keine Vorleistungen importieren: Eine höhere Arbeitsproduktivität sowie realisierte Produktinnovationen stehen in einem positiven Zusammenhang zum Bezug von Vorleistungen aus dem Ausland. Allgemein weisen die Ergebnisse auf eine positive Beziehung zwischen IKT und Offshoring hin sowie auf den in der Literatur genannten Produktivitätsvorteil von Firmen, die Vorleistungen importieren, im Vergleich zu denen, die keine Vorleistungen von Auslandsmärkten beziehen.