Ziele und Motivationen von Fusionen und Unternehmensübernahmen (M&As) sind in der vergangenen Zeit häufig Gegenstand wissenschaftlicher Analysen gewesen. So wurde gezeigt, dass Firmenakquisitionen genutzt werden, um Zugang zu internationalen Märkten, Technologien und anderen wertvollen Ressourcen der Zielfirmen zu erhalten. Wenig ist jedoch darüber bekannt, wie sich die Bedeutung der verschiedenen Gründe für eine Übernahme bei unterschiedlicher Größe der Zielunternehmen ändert. Erschließen Unternehmen geographisch neue Märkte durch die Übernahme von großen Akteuren in Auslandsmärkten? Ist der Zugang zu neuen Technologien von größerer Bedeutung bei kleinen Zielunternehmen? Einerseits könnten kleine Firmen wichtige intellektuelle Eigentumsrechte besitzen, und Käuferunternehmen könnten so zukünftige Konkurrenten im Technologiemarkt abhalten. Kleinere Firmen sind vergleichsweise billiger, weshalb die Nutzung ihres Wissens durch Integration attraktiver erscheinen könnte als der Erwerb von lizenzierter Technologie. Andererseits könnten größere Zielfirmen einen besseren Zugang zu Märkten und etablierten Produkten darstellen, da diese Firmen in der Regel auch über einen höheren Marktanteil und ein besseres Vertriebsnetzwerk verfügen. Größere Akquisitionen sollten demnach eher auf internationaler Ebene stattfinden als im Heimatmarkt. In Anbetracht dieser Vielfalt an Übernahmemotiven und der ungleichen Verteilung des Verkaufswerts, untersucht diese Studie, ob statistische Verfahren, die sich auf ein durchschnittliche Zielunternehmen konzentrieren, um Aufschluss über zu Grunde liegende Übernahmemotivationen zu geben, das ganze Bild zeigen. Auf Basis eines umfassenden Datensatzes von 652 europäischen Fusionen und Übernahmen im Zeitraum von 1997 bis 2003 benutzen wir Quantilsregressionen um die Heterogenität von Übernahmemotiven im Zusammenhang mit unterschiedlichen Verkaufswerten zu untersuchen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Zugang zu neuen Technologien tatsächlich eine größere Rolle bei Zielunternehmen mit geringerem Verkaufswert spielt. Unsere Untersuchung stützt auch die Ansicht, dass kleinere Akquisitionen getätigt werden, um das Technologieportfolio des Käufers zu vervollständigen, während große Akquisitionen meist Zugang zu nicht-technologischen Vermögensgegenständen und internationalen Märkten verschaffen sollen.

Grimpe, Christoph und Katrin Hussinger (2008), Market and Technology Access Through Firm Acquisitions: Beyond One Size Fits All, ZEW Discussion Paper No. 08-037, Mannheim, erschienen in: New Perspectives in International Business Research. Download

Schlagworte

Firm acquisitions, technological assets, market access, quantile regression