Der Zugang zu externer Finanzierung ist für die Investitionsfinanzierung von Unternehmen von großer Bedeutung. Für Investitionen sind in größeren Abständen hohe Beträge erforderlich, wohingegen Mittel aus der Innenfinanzierung kontinuierlich zufließen. Für umfangreiche Investitionsvorhaben ist eine alleinige Innenfinanzierung meistens nicht ausreichend. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist eine Finanzierung durch Banken besonders wichtig, da KMU keinen Zugang zur Börse oder zum Markt für Unternehmensanleihen haben. Wenn Unternehmen einen Kreditantrag stellen, können sie nicht sicher sein, ob er letztendlich genehmigt wird. Bislang ist nur wenig darüber bekannt, wie Unternehmen ihr Investitionsvolumen anpassen, wenn ihre Kreditanträge von den Banken abgelehnt werden. Ebenso ist nicht bekannt, welche Finanzierungsquellen Unternehmen für Investitionen wählen, wenn sie trotz Kreditablehnung in der Lage sind zu investieren. Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf Unterschieden zwischen innovativen und nichtinnovativen Unternehmen. Während eine Kreditfinanzierung für innovative Unternehmen durch die höhere Unsicherheit in ihren Erträgen weniger gut geeignet ist, hat die Eigenkapitalfinanzierung den Vorteil, dass der Investor im Erfolgsfall an den Erträgen partizipiert. Innovative Unternehmen können Kreditabsagen möglicherweise besser bewältigen als nicht-innovative Unternehmen, wenn sie nach erfolglosen Kreditverhandlungen zusätzliches Eigenkapital aufnehmen können. Die Analyse basiert auf einer jährlichen Unternehmensbefragung der KfW-Bankengruppe, die repräsentativ für den deutschen Mittelstand ist. Mehr als 4500 Beobachtungen mit Informationen für die Jahre 2005 bis 2007 stehen zur Verfügung. Diese Umfrage enthält Informationen über geplante Investitionen, tatsächliche Investitionen, Kreditverhandlungen und Innovationsaktivitäten. Ökonometrisch kontrollieren wir für den Einfluss unbeobachtbarer Unternehmenseigenschaften auf den Ausgang von Kreditverhandlungen mit einer Selektionsgleichung. Wir verwenden die Intensität des Bankenwettbewerbs auf Kreisebene als Ausschlussrestriktion, damit die Identifikation des statistischen Modells nicht nur auf Annahmen zur funktionalen Form beruht. Unsere Ergebnisse zeigen, dass innovative Unternehmen Kreditabsagen besser verkraften können. Verglichen mit Nicht-Innovatoren können Innovatoren im Fall einer Kreditablehnung zusätzliche 10,0 Prozentpunkte des Anteils von tatsächlichen zu geplanten Investitionen realisieren. Bei der Untersuchung der Zusammensetzung der Finanzierungsquellen, die Unternehmen letztlich für ihre realisierten Investitionen verwenden, finden wir eine Erklärung für das bessere Abschneiden. Von Banken abgelehnte innovative Unternehmen haben die Fähigkeit, den Anteil der externen Eigenkapitalfinanzierung zu erhöhen. Sie finanzieren 6,7% des Finanzierungsbedarfs mit externem Eigenkapital, während es bei von Banken abgelehnten Nicht-Innovatoren lediglich 1,1% sind. Externe Eigenkapitalfinanzierung umfasst die Finanzierung durch Business Angels, Wagniskapital und Eigenkapitalbeteiligungen zusätzlicher Eigentümer. Innovative Unternehmen werden möglicherweise von Banken abgelehnt, da Kredite keine optimale Finanzierungsform für sie darstellen. Wenn ihre Investitionsprojekte profitabel sind, können sie jedoch teilweise neue Eigenkapitalinvestoren gewinnen.

Müller, Elisabeth und Frank Reize (2010), Loan Availability and Investment – Can Innovative Companies Better Cope with Loan Denials?, ZEW Discussion Paper No. 10-025, Mannheim, erschienen in: Applied Economics. Download

Autoren

Müller, Elisabeth
Reize, Frank

Schlagworte

Investment, loan availability, innovation, private equity