Diese Studie untersucht, wie sich die Produktivität von Wissenschaftlern an Universitäten durch Erfahrungen aktiver Mitarbeit in Firmen verändert. Die Produktivität wird dabei durch Publikationen in referierten Fachzeitschriften gemessen. Die Literatur zum Thema argumentiert einerseits, dass Erfahrungen aus der Wirtschaft zu einem akademischen Produktivitätszuwachs im Hinblick auf Anzahl der Publikationen und deren Qualität führen können. Während die genauen Mechanismen dabei nicht eindeutig belegt sind, könnte ein Grund sein, dass ein Wissenschaftler durch Tätigkeiten in der Privatwirtschaft mehr Forschungsmittel zur Verfügung hat und diese auch effizient einsetzt, z.B. zum Ausbau der eigenen Forschungsgruppe im Hinblick auf Personal und Ausstattung.Andererseits gibt es Studien, die eine gegenteilige Meinung vertreten.Wissenschaftler, die eine Firma gründen oder die Hochschulen (teilweise oder permanent)verlassen, sehen sich einem „trade-off“ zwischen privatwirtschaftlicher und akademischer Produktivität gegenüber. Diese konkurrierende Sichtweise wurde in empirischen Studien sowohl auf der Firmen- als auch auf der Personenebene belegt. Auf der Firmenebene stehen sich die wissenschaftliche Ausrichtung des Unternehmens und der (kurzfristige) Innovationserfolg entgegen. Diese Studien bezweifeln, dass „State of the Art“ Grundlagenforschung in der Privatwirtschaft – zumindest langfristig - ebenso erfolgreich wie in Hochschulen betrieben werden kann. Auf der Personenebene wird der zeitliche „trade-off“ zwischen Forschungs- und verschiedenen Managementtätigkeiten diskutiert. Es wird argumentiert, dass letztere signifikante Zeit des Wissenschaftlers sowie kognitive Anstrengungen erfordern, die von fundamentaler Forschungsaktivität ablenken.Unter Verwendung einer Längsschnittdatenbank amerikanischer Wissenschaftler im Feld der Biowissenschaften zeigt sich, dass Professoren, die ihre Forschungsergebnisse an einem späteren Zeitpunkt ihrer Karriere kommerzialisieren, produktiver sind als eine zufällig gezogene Kontrollgruppe von Professoren, die ihre Forschung nicht kommerzialisieren.Zum Zeitpunkt der Entscheidung, die Hochschulen zwecks einer Karriere in der Industrie zu verlassen, sinkt die Publikationsproduktivität erwartungsgemäß. Jedoch zeigt sich auch, dass jene Wissenschaftler, die später an eine Hochschule zurückkehren nicht produktiver sind als zuvor. Stattdessen trifft das Gegenteil zu. Während die akademischen Unternehmer in ihrer Zeit an der Universität vor der Kommerzialisierungsentscheidung produktiver waren als eine Kontrollgruppe von anderen Professoren, erreichen sie nach ihrer Rückkehr kein vergleichbares Niveau. Die Produktivität unterscheidet sich nicht mehr signifikant von der Kontrollgruppe.

Czarnitzki, Dirk und Andrew Toole (2009), Is There a Trade-Off Between Academic Research and Faculty Entrepreneurship? Evidence from U.S. NIH Supported Biomedical Researchers, ZEW Discussion Paper No. 09-022, Mannheim, erschienen in: Economics of Innovation and New Technology. Download

Schlagworte

academic entrepreneurship; SBIR; NIH; biomedical research; life scientist productivity