Unter Ökonomen bestehen keine nennenswerten Zweifel darüber, dass sich die Wettbewerbspolitik in den meisten industrialisierten Staaten als ein integraler Bestandteil der Wirtschaftspolitik etabliert hat der substantiell zum Wohlstand der Nationen beiträgt. Die sich unmittelbar anschließende Frage, in welcher Höhe dieser Wohlfahrtsbeitrag von Wettbewerbspolitik angesetzt werden kann (verglichen mit den entstehenden Kosten) hat bislang noch keinen größeren Einsatz von Forschungsressourcen erfahren. Dieser Zustand muss als bedauerlich bezeichnet werden, da beispielsweise Wettbewerbsbehörden ihre Budgets (sowie auch Forderungen nach Budgeterhöhungen) zu rechtfertigen haben und es im Rahmen dessen hilfreich sein kann, den Wohlfahrtsbeitrag ihrer Tätigkeiten verdeutlichen zu können. Darüber hinaus können auch die Ökonomen selbst von Studien profitieren, die Anhaltspunkte darüber geben, zu welchem Grad die Gesellschaft von ihren wirtschaftspolitischen Empfehlungen profitiert oder profitieren könnte. Vor diesem Hintergrund verfolgt das Arbeitspapier das Ziel, die Kosten und den Nutzen der Durchsetzung von Wettbewerbsrecht abzuschätzen. Die Untersuchung startet mit einer Behandlung der Fragestellung, weshalb Wettbewerb typischerweise schützenswert ist, gefolgt von einer Sammlung von empirischen Indizien, die untermauern, dass Wettbewerb des Schutzes durch Wettbewerbspolitik bedarf um Unternehmen daran zu hindern, ihre Marktmacht dauerhaft auf Kosten der Konsumenten zu missbrauchen. Im Anschluss daran wird eine Abschätzung der konkreten Kosten und Nutzen der Durchsetzung von Wettbewerbsrecht versucht und zwar sowohl für die Vereinigten Staaten von Amerika als auch für die Niederlande. Die Untersuchung unterscheidet zwischen einem aggregierten Niveau, das sich im Wesentlichen auf die Abschätzung der Netto-Wohlfahrtsverluste (der sogenannten ‚deadweight losses’) konzentriert und einem disaggregierten Niveau, das eine Abschätzung der Wohlfahrtseffekte abgegrenzter wettbewerbspolitischer Fälle versucht. Beide Arten der Abschätzung von Wohlfahrtseffekten werden in Beziehung gesetzt zu einer Abschätzung der durch Wettbewerbspolitik entstehenden Kosten in den beiden Ländern. Die Ergebnisse zeigen für die Vereinigten Staaten wie auch für die Niederlande, dass die realisierten Nutzen die entstehenden Kosten klar überragen solange nicht nur die Netto-Wohlfahrtsverluste, sondern auch die Umverteilungseffekte Eingang in Quantifizierung finden. Wird der Nutzen von Wettbewerbspolitik aber lediglich in der Reduzierung der Netto- Wohlfahrtsverluste gesehen, so zeigen die Ergebnisse, dass der durch die Kartellverfolgung und die Fusionskontrolle realisierte Nutzen die entstehenden Kosten weder in den Vereinigten Staaten noch in den Niederlanden decken kann.

Hüschelrath, Kai (2008), Is it Worth all the Trouble? – The Costs and Benefits of Antitrust Enforcement, ZEW Discussion Paper No. 08-107, Mannheim, erschienen in: World Competition Law and Economics Review. Download

Schlagworte

Antitrust policy, antitrust enforcement, cost-benefit analysis