Zwischen den International Accounting Standards (IAS) und der Steuerpolitik der Europäischen Kommission zeichnet sich eine immer deutlichere Verbindung ab. Innerhalb der EU könnten IAS über die im Juni 2002 verabschiedete EU-Verordnung zur Harmonisierung der handelsrechtlichen Rechnungslegungsvorschriften und über die laufenden Initiativen der Europäischen Kommission zur Schaffung einer konsolidierten Körperschaftsteuerbemessungsgrundlage auf die steuerliche Gewinnermittlung einwirken. IAS kommen als Ausgangspunkt für die steuerliche Gewinnermittlung durchaus in Frage. Ein grundsätzlicher Widerspruch zu den Zielen der steuerlichen Gewinnermittlung ist nicht auszumachen. Die Überlegenheit von IAS gegenüber den nationalen handelsrechtlichen GoB als Grundlage der steuerlichen Gewinnermittlung basiert auf den übergeordneten Gesichtspunkten der Schaffung einer einheitlichen europäischen Steuerbasis. Werden IAS zum Ausgangspunkt der Gewinnermittlung gemacht, muss sich die Übernahme aber auf zweckmäßige Einzelregelungen beschränken. Insgesamt wäre die Gewinnermittlung stärker an Zahlungen auszurichten, was (wie bisher auch) de facto zu einer Eigenständigkeit der steuerlichen Gewinnermittlung führt. Gleichzeitig wären Beschränkungen des steuerlichen Verlustausgleichs aufzuheben. Ein Übergang zur steuerlichen Gewinnermittlung auf Basis von IAS oder anderer Grundlagen innerhalb der EU würde die Wettbewerbsposition deutscher Unternehmen tendenziell verbessern. Eine ausschließliche Angleichung der steuerlichen Gewinnermittlungsvorschriften kann das Steuergefälle innerhalb der EU aber nicht verringern. Dazu wären weitere Maßnahmen erforderlich, insbesondere eine Angleichung der Ertragsteuersätze.

Schlagworte

Rechnungslegung, Steuerliche Gewinnermittlung, International Accounting Standards, Konzernbesteuerung,